Kategorie-Archiv: Gavel

IMHO – Die Einzelkritik der Saison 2012/2013

von DRiW am 03. August 2013

Rückblick: Mein letzter Beitrag „Mannschaft, die nicht ansatzweise funktioniert“ vom 24. März war vernichtend. Das war zu diesem Zeitpunkt jedoch auch vollkommen berechtigt.

Die Prognose mit 14 Niederlagen in den TOP16 hat sich dann leider auch bestätigt. Bitter aber gerecht. Doch alles andere kam dann anders…

Auch wenn im Rückblick die Saison extrem zäh war und die meisten von uns viel Frust geschoben haben, allen voran wegen diverser Personalien, war sie unter dem Strich doch ein voller Erfolg. Bamberg ist in die TOP16 eingezogen, ein Riesenerfolg für sich. TOP4 war ohnehin utopisch und wer davon träumte, der sollte sich mal wieder zwicken. Und: Bamberg ist tatsächlich zum vierten Mal in Folge Deutscher Meister geworden und das ist einfach unfassbar! Baut Fleming noch zu Lebzeiten ein Denkmal, direkt am Kranen oder gleich im Dom neben dem Bamberger Reiter! Das hat er sich redlich verdient, diese Leistung ist einzigartig! ALBA hat uns mehrfach geschlagen, hat den Pokal geholt und zwei Siege in der TOP16 eingefahren. Aber: Meister ist mal wieder Bamberg. Ätsch.

Der Wendepunkt war tatsächlich der Rauswurf von Massey. Das hat der Mannschaft die nötige Ruhe gegeben. Die knappen vier Wochen im April wurden von Fleming genutzt, um die Mannschaften wieder aufzubauen und zu formen. Doch auch die ersten Playoffs-Spiele gegen Hagen waren aus meiner Sicht eine reine Katastrophe. Die Mannschaft wirkte nach wie vor höchst verunsichert und ließ sich ein ums andere mal von den Hagenern wie eine Jugendtruppe ausspielen. Erst die Spiele gegen den FC Bayern haben Bamberg endgültig wachgerüttelt und  das Letzte aus der Mannschaft heraus gekitzelt. Es war einfach der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Bamberg war bis unter die Haarspitzen motiviert und wurde in jedem Spiel von einem anderen Bamberger getragen: Ogilvy (zweites Spiel), Renfroe, Ford, Jacobsen und natürlich Gavel. Am Ende siegte die Erfahrung und die homogene Mannschaftsleistung. Das Bayern Spiel ist doch zu sehr von Rice abhängig gewesen. Das Finale war dann nur noch die Kür.

Alles andere hat Walter in seiner Saisonbilanz bereits erwähnt.

Doch nun zu meiner persönlichen und natürlich rein subjektiven Einzelkritik der abgelaufenen Saison:

Gavel

Der Name steht für ganz hohe Qualität: exzellente Defense, bedingungslose Einsatzbereitschaft, Leadership, hohe 3er Quoten, hoher Baskteball-IQ und Loyalität. Kurz gesagt, der Star der Mannschaft, der sich zu 100% in den Dienst eben dieser stellt. Ich könnte jetzt ausschweifen, welche Vorzüge dieser Mann mit sich bringt und was er alles kann, doch das weiß ohnehin bereits jeder, so auch der FC Bayern, der nun im zweiten Jahr in Folge extrem stark an Anton baggert. Gavel hat die Brose Baskets nahezu im Alleingang in die TOP16 geschossen. Seine Frühform war nahezu außerirdisch und bitter nötig zugleich, denn der Rest der Mannschaft hat sich in der Vorrunde der EL nicht mit viel Ruhm bekleckert. Da wundert es nicht, dass er sich im Frühjahr eine Ruhepause gönnte und die Verantwortung an den Rest der Mannschaft übergeben hatte. Dass das nicht funktionierte, hat dann auch jeder gesehen.

In der BBL Hauptrunde bringt Gavel eine durchschnittliche Effektivität von 15! Das ist der mit Abstand beste Wert der gesamten Mannschaft (vom Wert von Walsh seiner 5 BBL-Spiele abgesehen). Auch bei den Punkten liegt er einsam an der Spitze mit knapp 15 pro Spiel im Schnitt. In den Playoffs war nur Nachbar besser. Seine EL Werte sind nur leicht schwächer. Insgesamt unglaublich konstante Leistungen auf sehr hohem Niveau in allen Wettbewerben.

  Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 31:01 13.0 55.1% 41.3% 2.1 2.6 11.3
EL TOP16 31:57 11.8 48.4% 33.3% 2.1 3.2 11.6
BBL Hauptrunde 29:33 14.8 59.2% 46.6% 2.8 3.3 15.0
BBL Playoffs 28:48 14.7 41.4% 38.3% 2.6 3.1 12.3

Negativ fällt mir nur ein, dass Gavel manchmal mit dem Kopf durch die Wand zum Korb zieht, auch wenn es schier unmöglich scheint. Hier wäre manchmal noch das Auge für den freien Mitspieler von Vorteil. Auf der anderen Seite versucht er natürlich in wichtigen Phasen die Verantwortung zu übernehmen.

Gavel ist aus meiner Sicht Bambergs wichtigster Mann, wichtiger als Nachbar, Jacobsen oder Ford. Ohne ihn sind die Franken nur die Hälfte wert. Gavel hat uns in allen Wettbewerben auf ein höheres Niveau gebracht, wie kein anderer Spieler. Ein Verlust dieses Spielers wäre aus Bamberger Sicht höchst schmerzhaft und nur schwer adäquat zu ersetzen. Gavel ist ein Glückfall!

Mein Wunsch für nächste Saison: Unbedingt halten!
Aktueller Status: Bleibt ein Jahr

Jacobsen

Jacobsen der Kapitän, man könnte sagen, seit er da ist, gewinnt Bamberg die Titel. Ich denke, das kann man so stehen lassen. Er mag nicht die Spitzenwerte eines Gavel oder eines Nachbar haben, aber dafür bringt er im läuferischen und kämpferischen Bereich unfassbare Spitzenleistungen. Nicht zu unterschätzen sind auch seine Führungsfähigkeiten auf und neben dem Parkett. Jacobsen bekommt die meisten Minuten, weil er durch seinen ständigen läuferischen Einsatz, Löcher in die gegnerische Defense erläuft, wie kein anderer in ganz Europa! Es ist manchmal kaum nachzuvollziehen, woher er diese Kraft nimmt, so viel in Bewegung zu sein, auch am Ende einer harten Saison. Wenn dazu sein 3er fällt, was leider in dieser Saison nicht immer der Fall war (EL Vorrunde 35%), dann hat er offensiv leider nicht viel anzubieten. Wenn er zum Korb zieht, z.B. mit einem seiner nicht-gefürchteten Floatern, dann wird er nur sehr selten belohnt. Es ist aber aufgefallen, dass er in dieser Saison sehr oft zum Korb zog. Manchmal würde man ihm an dieser Stelle wünschen etwas Nachhilfeunterricht bei Daddy Cool zu bekommen. Der hat auch einen Floater erfolgreich im Korb versenkt, wenn sein Gegenüber acht Köpfe größer war als er selbst.

Nichts desto trotz ist Jacobsen aus dieser Mannschaft nicht wegzudenken. Seine mentale Stärke und seine physische Präsenz bringen einfach diesen Sieger-Gen mit, der Bamberg in den letzten Jahren so erfolgreich machte und das steckt die Mannschaft an.

Eines muss noch gesagt werden. Als es drauf ankam, in den Playoffs das Ruder umzureißen, war Jacobsen wie neu geboren. In den meisten Spielen trug er die Mannschaft über die schweren Phasen des Spiels hinweg. Sein Spitzenwert von 15.2 in den Playoffs bestätigt dies. Da kann nicht mal Gavel oder Nachbar mithalten, nur Ford, doch dazu gleich mehr. Diese Leistung hätte ich mir allerdings auch in den TOP16 von ihm gewünscht, doch da hatte er leider einen Durchhänger. Das war natürlich sehr schade, denn mit einem starken Jacobsen hätten wir sicher das ein oder andere Spiel noch gewinnen können.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 29:49 10.5 51.5% 35.0% 2.8 1.8 9.9
EL TOP16 30:55 8.4 42.4% 43.1% 2.9 2.8 9.3
BBL Hauptrunde 28:36 10.9 50.0% 40.7% 2.9 2.9 11.8
BBL Playoffs 32:15 13.9 41.7% 48.7% 4.6 1.9 15.2

Mein Wunsch für nächste Saison: Unbedingt halten!
Aktueller Status: Bleibt

Ford

Ford… das ist der Spieler, bei dem ich mich am meisten getäuscht habe, weswegen ich mich im Nachhinein bei ihm entschuldigen müsste. Doch auf der anderen Seite waren seine Leistungen in der ersten Hälfte der Saison teilweise wirklich unterirdisch. Eine Effektivität von 2.5 in der EL Vorrunde bestätigt dies auch eindeutig, wie auch all die anderen Werte in diesem Teil des Wettbewerbes. Die Stats sind aber nur die halbe Wahrheit, denn viele von uns störte vielmehr seine Lustlosigkeit, die negative Körpersprache und seine mangelnde Fitness. Zum Glück hat unser Trainergespann ihn aber rechtzeitig erreicht und so wurde er von Monat zu Monat immer besser, bis hin zum besten Spieler der Playoffs mit einer Effektivität von 15.3, 6.4 Rebounds und 12.8 Punkten pro Spiel. Seine Blocks waren phänomenal und haben seine Gegner oft zum Verzweifeln gebracht. Das war schon erste Sahne. Ford hat im Laufe der Saison die Lust am Basketball  wieder entdeckt und spielen, das kann er! Bamberg passt zu ihm, er passt zu Bamberg. Ford ist ganz nebenbei bester Bamberger Rebounder, auch wenn ich mir manchmal noch mehr von ihm wünschen würde.

Negativ zu erwähnen wäre sein 3er Wurf, der zum Ende der Saison schlagartig nachgelassen hatte. In den Playoffs hat er es dann entweder selbst eingesehen, oder eine Vorgabe von Fleming bekommen, keine 3er mehr zu werfen, denn er hörte damit schlagartig auf. Unvergessen bleibt auch sein „F… You“ während eines Auswärtsspiels dem Headcoach gegenüber. Normalerweise ist das ein Suspendierungsgrund, doch ich fand es gut, dass sich der Coach und Ford intern ausgesprochen haben, ohne daraus ein Thema zu machen. Das ist einfach nur professionell. Hut ab.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 16:17 4.5 47.4% 8.3% 3.0 0.4 2.5
EL TOP16 21:29 10.7 56.9% 33.3% 5.2 0.5 9.7
BBL Hauptrunde 21:40 12.0 57.4% 42.1% 5.7 0.6 13.3
BBL Playoffs 22:47 12.8 63.0% 26.5% 6.4 0.8 15.3

Mein Wunsch für nächste Saison: Unbedingt halten!
Aktueller Status: Bleibt weitere zwei Jahre

Nachbar

Nachbar ist unter dem Strich der Spieler, der mich im Laufe der Saison am meisten enttäuscht hatte. Das wird sicherlich den ein oder andern Leser hier verwundern, zum einen weil seine Stats sich gut lesen und zum anderen, weil er das eine oder andere atemberaubende Spiel abgeliefert hatte. Aber seien wir mal ehrlich, was für Spiele waren das? Entweder am Anfang der Saison in der Beko-BBL gegen schwache Gegner, oder das eine Spiel in Moskau mit gefühlten 10.000 3ern. Das Spiel gegen Moskau ging dabei trotzdem verloren… Herausragend hätte ich gefunden, wenn er uns dort, und in so vielen andere knappen EL-Spielen, zum Sieg verholfen hätte. Das ist leider nie passiert. Stattdessen zeigte Nachbar in den wirklich wichtigen Spielen (TOP16, ALBA und FCBB Spiele) meistens ein anderes Gesicht. In den entscheidenden Phasen tauchte Nachbar entweder vollkommen unter oder er versuchte es mit der Brechstange, was so gut wie nie von Erfolg gekrönt war. Es gab in der abgelaufenen Saison so viele knappe Spiele, die wir in den letzten Minuten/Sekunden verloren haben, da hätte Nachbar seine Klasse einbringen können, ja gar müssen. Ich habe mich zu oft über seine Aktionen ärgern müssen. Mein Anspruch ist hoch, den ich hier an ihn stelle, aber es ist auch der teuerste Spieler der Mannschaft und der designierte Leader. Und da hilft es auch nicht, dass er neben dem Court einfach ein netter Kerl ist und nette Sachen bei Twitter schreibt.

Nachbar ist aus meiner Sicht kein Teamplayer, er klatscht seine Spieler kaum ab, redet nicht viel mit ihnen auf dem Parkett, ja er wirkt oft emotionslos, auch in heißen Spielen. Er tritt der Mannschaft nicht in den Allerwertesten, wenn es nötig ist. Doch genau das sind die Eigenschaften, die ich von so einem Spieler erwarte. Wie oft sehnte ich gerade deswegen einen Peja Suput herbei? Zu oft. Als Nachbar während der Saison für ein Spiel ausgefallen ist (in Madrid), hat die Mannschaft mit das beste Spiel der EL-Saison gespielt. Das war sicher kein Zufall. Ok, auch dieses Spiel wurde jedoch verloren.

Von einem Spieler seines Kalibers und seinen Gehaltsregionen erwarte ich einfach mehr. Bamberg kann sich nur 1-2 Spieler dieser Kategorie leisten und diese müssen dann auch zünden. Seine Stats lesen sich durchwegs positiv. Trotzdem hatte er einen sehr starken Leistungsabfall nach Weihnachten. Gerüchten zur Folge soll er evtl. private Probleme gehabt haben, mag sein. Er war zudem auch krank. Doch nach einer Krankheit sind andere auch schnell wieder zurück gekommen. In der schweren Phase am Ende der EL Saison als Bamberg in eine richtige Krise gerutscht ist, war Nachbar auch kein Antreiber. Auch in den Spielen gegen Hagen schaffte er es nicht, der Mannschaft Stabilität zu geben, aber gut, das haben Jacobsen und Gavel auch nicht. Evtl. bin ich zu streng an dieser Stelle.

Unvergessen bleibt mir jedenfalls der Block von Hamann gegen Nachbar. Das war einfach nur traurig anzusehen, wie ein alternder NBA Star von einem Ex-Bamberger Jungen knallhart und vor allem sauber geblockt wurde. Ich war live in der Halle im Audi-Dome dabei und konnte kaum glauben, was ich da gesehen habe. Unvergessen bleiben auch seine 15 hintereinander nicht verwandelte 3er in den Playoffs gegen den FC Bayern, womit er eine unterirdische Playoffs 3er Quote von knapp 23% erreicht (3er Quote im Detail: Hagen 4/23, München 7/27, Oldenburg 2/7). Da hat sogar Tadda eine bessere Ausbeute (25%). Positiv erwähnt werden muss die sehr starke Effektivität von 16.2 und die PPG von 16.8 in der Vorrunde der EL. Das ist der mit Abstand beste Wert der gesamten Mannschaft. Diese exzellenten Werte konnte Nachbar leider nicht mit in die TOP16 transferieren.

Es wundert mich deswegen gar nicht, dass er a) im Laufe der Saison von der Starting Five auf die Bank beordert wurde und b) Bamberg mit ihm in der nächsten Saison nicht weiter macht. Ich bin froh darüber.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 29:33 16.8 47.3% 37.5% 4.9 1.4 16.2
EL TOP16 24:35 15.5 45.0% 36.5% 2.3 0.8 11.9
BBL Hauptrunde 23:23 12.9 46.3% 41.4% 3.6 2.0 12.1
BBL Playoffs 21:46 15.0 59.2% 22.8% 3.8 1.8 12.5

Mein Wunsch für nächste Saison: Netter Kerl, aber bitte nicht mehr in Bamberg.
Aktueller Status: Er geht zum FC Barcelona

Goldsberry

Bei Goldsberry könnte man sagen: Oldie but Goldie. Die Verpflichtung von Goldsberry war ein großes Risiko nach der Saison 2011/2012, die er nahezu vollständig aus Krankenzimmern und von der Bank beobachten konnte. Die Verletzung am Ende der abgelaufenen Saison zeigte auch, dass die Kritiker durchaus Recht behalten sollten. Goldsberry interessierte das alles jedoch nicht, er kam zum wiederholten Mal zurück und holte mit der Mannschaft die vierte Meisterschaft in Folge. Goldsberry ist ein Stehaufmännchen und er wird eines Tages ebenfalls in die Hall-of-Fame der Bamberger Basketballer aufgenommen werden müssen.

Goldsberry’s Spielweise ist höchst unspektakulär und seine Stats wirken auch eher grau. Doch er ist nicht umsonst der Floorgenerall mit einem der höchsten Basketball IQs in der gesamten Beko-BBL. Er weiß immer zur rechten Zeit, wann er das Spiel langsam oder schnell machen muss, wann der richtige Zeitpunkt ist, für einen seiner wenigen Dreier. Diese trifft dann auch hochprozentig. Das wichtigste jedoch ist, der er die rechte Gehirnhälfte von Fleming in seiner rechten Hand trägt. Goldsberry bringt Struktur ins Spiel, Flemings Handschrift ist sofort erkennbar, er macht keine Dinge im Alleingang, er fördert stattdessen den erfolgreichen Team-Basketball. Es kommt hinzu, dass er für einen Aufbauspieler recht viele Rebounds holt, Defensiv wie Offensiv, was erneut auf einen recht hohen BBL-IQ deutet. Da könnte sich z.B. Tadda eine Scheibe von abschneiden.

Wirft man einen Blick auf die Stats, dann fällt der Leistungsabfall in der EL TOP16 sofort auf. Eine Effektivität von 3.5 bei knapp 27 Minuten im Schnitt ist schon grenzwertig. Sein Problem ist tatsächlich etwas sein fortgeschrittenes Alter und somit die nicht mehr vorhandene Schnelligkeit und Physis. Wenn hart und schnell gespielt wird, dann tut sich Goldsberry schon schwer, das hat man während dieser EL Saison schon deutlich gesehen. Deswegen braucht er eine starke Unterstützung von einem jungen Wilden, der in Form von Gipson, Schmidt und dann auch Renfroe in der letzten Saison nicht wirklich gegeben war. Das wird nächste Saison hoffentlich besser.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 19:26 3.9 61.5% 35.0% 2.0 2.7 4.3
EL TOP16 27:26 5.0 20.0% 45.8% 2.0 2.4 3.5
BBL Hauptrunde 19:43 3.9 42.1% 45.5% 2.2 2.8 7.3
BBL Playoffs 18:11 3.4 44.4% 45.0% 1.8 3.3 6.0

Mein Wunsch für nächste Saison: Ein Jahr noch behalten, als Backup-Aufbauspieler
Aktueller Status: Er bleibt als 7. Ausländer!

Gipson

Gipson, Gipson, Gipson… oder besser gesagt Zappelphilipp. Selten habe ich mich so intensiv und vor allem so oft über einen Mannschafts-Sportler so geärgert, wie über ihn. Da fällt mir spontan nur noch Nelson Valdez von Borussia Dortmund ein. Gipson ist 30 Jahre alt und agierte auf dem Feld teilweise wie ein 17jähriger: Vollkommen nervös und verunsichert, seine Spielweise meist egoistisch. So viele TO’s wie von ihm im Laufe der Saison fabriziert, kann man als Trainer kaum ertragen. Machen wir es kurz: Gipson war da und es war gut, als er weg war. Und zwar für alle.

Die Stats sprechen eine leicht andere Sprache. In der BBL schaut das gar nicht so schlecht aus, denn gegen schwache Gegner wusste er auch wirklich zu gefallen. Kaum war der Gegner etwas stärker, wie in der EL, so kam sofort der Zappelphilipp zurück.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 22:46 8.1 35.4% 46.2% 1.7 2.8 5.8
EL TOP16 16:54 6.8 40.0% 44.4% 0.8 0.8 1.8
BBL Hauptrunde 22:12 10.1 47.3% 39.1% 1.6 2.2 8.2
BBL Playoffs

Mein Wunsch für nächste Saison: Nein, danke.
Aktueller Status: ?

Williams

Was soll man über einen Spieler sagen, der gerade mal sieben Spiele für Bamberg absolviert hat? Physisch ist er sicher eine Wucht und besitzt zudem exzellente Sprungkraft. Doch leider konnte er sich nicht so in Szene setzen, bzw. er konnte seine Fähigkeiten nicht in bare Münze umwandeln. Evtl. war auch das Bamberger Spiel nicht auf ihn zugeschnitten. Er wurde nicht viel eingesetzt, was seiner Integration schadete. Am Ende wurde der kurzfristige Vertrag auch nicht verlängert. Evtl. hätte er aber mit etwas Geduld (siehe Ford) zu einem besseren Massey werden können. Im Nachhinein ist man eben schlauer.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 12:08 4.3 41.4% 0.0% 3.4 0.3 3.3
EL TOP16
BBL Hauptrunde
BBL Playoffs

Mein Wunsch für nächste Saison: Passt nicht.
Aktueller Status: ?

Ogilvy

Ogilvy = Pleiten, Pech und Pannen stets mit einem Grinsen im Gesicht :-)

Pleiten, oder anders gesagt Verletzungen, waren leider an der Tagesordnung. Er kam quasi schon verletzt nach Bamberg. Da muss man sich schon fragen, was ein medizinischer Check für die Bamberger Verantwortlichen eigentlich bedeutet. Es kam dann wie es kommen musste: Erst setzte er fast die halbe Saison aus, weil er verletzt war, dann kam er zwar zurück, war aber komplett neben der Spur. Dann erneute Verletzungen und Rückschläge. Ein Teufelskreis. Wenn er spielte, dann meistens mit viel Pech. Guter erster Schritt, gute Moves zum Korb, doch zu oft warf er dann Ziegelsteine gegen das Brett. Manchmal tat es mir als Zuschauer richtig weh zuzuschauen. Sein Spiel war ebenfalls von vielen Pannen bestimmt: Fehlpässe und Ballverluste. Eigentlich nur schade, denn es gibt wenig Leute, die so viel Pech haben, so oft vom Trainer unberücksichtigt werden und dann trotzdem nie die Klappe aufmachen um sich zu beschweren. Ogilvy steckte alles weg, was ihn irgendwie wieder sympathisch machte. Sympathie alleine reicht im Profisport leider nicht aus, die Leistung muss ebenso passen. Und hier muss man konstatieren: Die Leistung passte nicht bzw. es hat einfach nicht gereicht. Das Experiment Europa für ist Ogilvy  fehlgeschlagen. Deswegen freue ich mich für ihn, dass er wieder zu Hause unter der australischen Sonne spielen darf.

In der Beko-BBL Hauptrunde machte AJ gerade mal sieben Spiele, in der EL Vorrunde ganze zwei, bei einer Effektivität von schmeichelhaften 0.5 Punkten. Immerhin kam er in der TOP16 in 13 von 14 Spielen zu Kurzeinsätzen (in sieben Spielen max. 5 Minuten). Sein bestes Spiel für die Bamberger machte er allerdings in den Playoffs. Als Geheimjoker stach er im extrem wichtigen Auswärtsspiel gegen den FC Bayern München mit 10 Punkten und einigen wirklich gelungenen Aktionen. In den beiden darauffolgenden Spielen glänzte er aber wieder mit 0 Punkten. Negativ erwähnt werden muss seine unglaublich schwache Rebound-Leistung. Für einen klassischen Center mit seiner Größe einfach nicht akzeptabel.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 4:39 0.5 0.0% 0.0% 1.0 0.0 0.5 (2 SP)
EL TOP16 9:37 4.4 46.3% 0.0% 1.8 0.2 4.5
BBL Hauptrunde 16:28 11.9 54.5% 0.0% 4.1 1.3 13.0 (7 SP)
BBL Playoffs 9:24 2.6 36.4% 0.0% 1.8 1.1 3.3

Mein Wunsch für nächste Saison: Passt nicht zu Bamberg, evtl. zu schwach für internationalen Basketball.
Aktueller Status: Spielt wieder für den Heimatverein in Australien

Massey

Das größte Missverständnis der vergangenen Saison war die Verpflichtung von Massey. Und neben Gipson heißt das schon was. Er wurde in der Phase verpflichtet, als die Bamberger Herren gemerkt haben, dass es in der Zone und in der Defense auf internat. Niveau einfach nicht reicht. Ein defensiv starker und physischer 4er wurde gesucht, der die Mannschaft bei den Rebounds entlastet und im Zonenspiel verstärken sollte. Das Profil von Massey passt eigentlich auf diese Anforderungen, aber was Massey dann gezeigt hatte, war etwas völlig anderes. Von Spiel zu Spiel entfernte er sich immer öfter aus der Zone, schoss bald nur noch wilde 3er von Außen und das nicht mal erfolgreich (20% bzw. 25%). Erstaunlicherweise hörte er damit nicht auf, sondern ballerte teilweise wie ein Verrückter immer wieder auf den Korb. Vom Gang in die Zone ganz zu schweigen. Defensiv war er auch nicht ansatzweise die Verstärkung, die man sich erhofft hatte. Menschlich erwies er sich dann auch noch als sozialer Kröpel, ein absoluter Egozentriker. Ein ums andere mal navigierte er sich mit seinen eigenen Aussagen ins Aus.

Unvergessen bleibt an dieser Stelle der Ellenbogen-Schlag in den Unterleib von Steffen Hamann. Allein nach dieser höchst unsportlichen Aktion hätte ich diesen Spieler intern suspendiert. Er durfte allerdings zur Verwunderung aller noch ein paar Spiele für die Bamberger bestreiten.

Doch auch die Bamberger Verantwortlichen, allen voran Heyder, hat sich bei Massey‘s Verpflichtung nicht mit viel Ruhm bekleckert. Er wurde zu spät für die zweite Hälfte der EL TOP16 angemeldet und durfte erst mal nur zuschauen. Das ist ein höchst peinlicher Fehler, der eigentlich nicht passieren darf. Doch ja, Fehler sind menschlich und auch Heyder wird viel dabei gelernt haben, in jeglicher Hinsicht. Die Spiele, die Massey in der EL noch bestritt, waren dann auch alle eher in der Kategorie: Mit viel Luft nach oben (Effektivität 5.8 bei 18 Minuten im Schnitt und einer 20%igen 3er Quote und ganze 2.8 Rebounds pro Spiel)!

Der Befreiungsschlag der Bamberger Mannschaft nach seinem Rauswurf zeigte dann auch deutlich, wie stark er das Mannschaftsklima vergiftet haben muss. Der Rauswurf war dann die einzig richtige und konsequente Entscheidung. Damit wurden die oben beschriebenen Fehler einigermaßen korrigiert, was die Mannschaft mit nichts anderem als der deutschen Meisterschaft bestätigte. Insgesamt bestritt Massey 15 Spiele für die Bamberger (10 BBL und 5 EL TOP16).

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde
EL TOP16 18:14 6.2 40.0% 20.0% 2.8 0.6 5.8 (5 SP)
BBL Hauptrunde 22.22 11.3 64.3% 25.0% 5.1 1.6 13.8 (10 SP)
BBL Playoffs

Mein Wunsch für nächste Saison: Bitte nicht!
Aktueller Status: Spielt wohl bei Champville SC im Libanon

Walsh

Walsh absolvierte nur 11 Spiele für die Bamberger. Das ist sehr bedauerlich, weil er ein guter Typ ist, mit einem wirklich hohen Basketball IQ. Walsh ist ein klassischer Allrounder, er kann so ziemlich alles, was im Basketball notwendig ist: er hat ein gutes Auge für den Mitspieler, guten Pass, guten Wurf, gute 3er Quote, gute Reboundwerte und er ist obendrein eine starke Kampfsau.

In den sechs Spielen in der Beko BBL hat er extrem gut eingeschlagen: In durchschnittlich 22 Minuten auf dem Parkett erzielte er 12.2 Punkte und holte 6.6 Rebounds (!!!). Dazu 3.2 Assists bei einer 3er Quote von 45%. Das sind wirklich exzellente Werte, vor allem bei den Rebounds! Er holte mehr Rebounds im Spiel als Ford oder Zirbes. Noch Fragen? Die Effektivität ist die höchste, sogar höher als die von Gavel, auch wenn der Vergleich aufgrund der wenigen Spiele etwas hinkt. Doch was, wenn er die Leistung über die gesamte Saison erbracht hätte? Hätten wir einen zweiten Gavel im Team? Vielleicht. Leider stoppte ihn eine blöde Verletzung und wir werden das nicht mehr erfahren.

Zu erwähnen ist noch seine sehr hohe TO Anzahl in den wenigen Spielen. Ich denke jedoch, für die tragende Rolle, die er kurzfristig ohne ausreichender Trainings- und Eingewöhnungszeit in der Mannschaft bekommen hatte, ist das nachzuvollziehen. Ich fand Walsh richtig gut, weil er auch ein Kämpferherz hat und um jeden Ball kämpft. Er hätte eine zweite Chance in Bamberg sicherlich verdient.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde
EL TOP16 24:53 7.5 47.8% 26.1% 5.5 3.3 8.7 (5 SP)
BBL Hauptrunde 22:23 12.2 56.3% 45.8% 6.6 3.2 16.2 (6 SP)
BBL Playoffs

Mein Wunsch für nächste Saison: Gerne wieder, aber von Anfang an
Aktueller Status: Geht zu Virtus Bologna, Italien

Renfroe

Renfroe kam in einer sehr schwierigen Phase nach Bamberg. Bamberg schlotterte gerade in die Krise. Es war kein Leichtes in dieser Phase zu glänzen oder sich zu integrieren. Doch mit seiner guten, offenen und positiven Art, hat er sich recht schnell in die Herzen der Bamberger gespielt. Seine Werte können sich wirklich sehen lassen. Er ist noch jung und es wäre viel Potential nach oben gewesen. Ich verstehe nicht ganz, warum Bamberg sich recht früh nach den Playoffs gegen ihn entschieden hat.

Seine Schwächen waren recht klar: zu unsicher im Ballvortrag und zu viele TOs. Für einen 1er einfach No-Go’s. In den Spielen gegen Hagen und den FC Bayern in den Playoffs hat mir wirklich das Herz geblutet, als seine Gegenspieler ihm ein ums andere Mal einfach den Ball wegspickten. Er wirkte oft auch sehr nervös und produzierte dadurch auch viele Fehlpässe.

Gut gefallen hat mir sein Zug zum Korb und seine Schnelligkeit (Rennfrosch :-) ). Seine 3er Werte waren OK und ich kann mich an zwei 3er erinnern, die uns in den Playoffs den Kopf aus der Schlinge zogen. Wie gesagt, er hätte eine Chance über die gesamte Saison verdient gehabt, mit dem Bamberger Trainerstab hätte man sicher viel bewegen können.

Die Anzahl der Rebounds und der Assists ist wirklich oberes Niveau für einen Aufbauspieler. Die Werte von Goldsberry liegen weit darunter. Aber wie oben schon erwähnt, Basketball ist viel mehr als nur Statistiken.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde
EL TOP16
BBL Hauptrunde 27:19 6.9 51.4% 40.0% 3.6 4.6 11.4
BBL Playoffs 24:56 7.3 58.5% 31.3% 4.3 4.8 11.1

Mein Wunsch für nächste Saison: Hätte in Bamberg wirklich eine zweite Chance verdient. Schade.
Aktueller Status: Auf Jobsuche?

Tadda

Für mich war Tadda der mit Abstand schlechteste Stammspieler der Saison. Damit schließe ich die ganzen Neuzugänge und den langzeitverletzen Ogilvy aus.

Tadda ist kein Talent mehr, ganze 25 Jahre alt inzwischen, sondern ein gestandener BBL-Spieler mit langjähriger internationaler Erfahrung, ja er ist gar deutscher Nationalspieler (warum auch immer).

Seine Werte sind schlecht bis sehr schlecht. Er kann nichts wirklich gut, nur vieles ein bisschen. Der einzige Grund, warum man an ihm wohl festhält ist, dass er a) ein Deutscher ist (und gar aus der Region) und b) eine ganz passable Defense mit sich bringt. Das war’s. Ansonsten ist er einfach nur ein Randspieler, einfacher BBL-Durchschnitt.

Seine Effektivitätswerte sind vernichtend schlecht, und zwar in allen Wettbewerben. Das spielgelt ganz gut meine Wahrnehmung von ihm wieder. Effektivität 2.8 in den TOP16 und in den Playoffs sprechen eigene Sprache. Seine Befürworter werden jetzt entgegnen, dass es für seine Defense keine Statistik gibt und diese ja so überragend sein soll. Zum einen habe ich mir seine Steals Werte angesehen, die im Durchschnittsbereich liegen. Zum anderen gibt es in der BBL viele andere junge deutsche Spieler, die ähnlich gut verteidigen, die aber auch offene Korbleger und offene 3er im Schlaf verwandeln können. Für Tadda stellt letztgenanntes oft eine große Herausforderung dar. OK, ich übertreibe ein wenig, aber die Tendenz stimmt.

Was ich viel schlimmer finde, als seine rein statistischen schlechten Werte, ist sein Entwicklungsstopp. Seit mindestens zwei Jahren kommt er keinen Schritt weiter. Teilweise stagniert seine Leistung eher. Das ist unverständlich. Seine Playoffs-Werte sind, wenn man ehrlich ist, unteres Niveau. Mit Fleming und Co als Trainer, die in den letzten Jahren fast aus jedem einen Top-Spieler geformt haben, verstehe ich diese Stagnation nicht. Liegt es an ihm oder am Trainer? Ich weiß es nicht. Evtl. sollte man ihn wirklich ziehen lassen und einem Stuckey eine Chance in Bamberg geben. In Würzburg hat er teilweise echt gute Leistungen gezeigt.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 14.09 3.4 40.0% 41.7% 1.9 0.8 3.8
EL TOP16 18:24 3.1 37.5% 23.8% 1.4 1.2 2.8
BBL Hauptrunde 16:38 3.6 48.8% 32.2% 1.6 1.3 4.5
BBL Playoffs 15:46 3.4 23.5% 25.0% 1.7 1.4 2.8

Mein Wunsch für nächste Saison: Er braucht den nächsten Entwicklungsschritt, und zwar außerhalb von Bamberg.
Aktueller Status: Wird wohl bleiben

Schmidt

Schmidt ist inzwischen 23 Jahre alt, gilt aber immer noch als Nachwuchstalent. Ich glaube viele vergessen sein Alter und er genießt deswegen noch so eine Art Welpenschutz. Auf der anderen Seite, wenn ich mich auf internationalen Niveau so umsehe, dann sind exzellente „Talente“ bereits unter 20 Jahren leicht zu finden. Mit 23 sind dort Spieler in der Regel gestandene Basketballspieler. Aber eventuell ist das ein generelles „deutsches“ Problem.

Schmidt erinnert mich von seiner Art her stark an Bastian Doreth: sicherer Ballvortrag und ganz gute Übersicht, dabei immer auf Sicherheit bedacht. Aber. Beide sind einfach zu langsam und von Außen zu ungefährlich. Wenn Sie zum Korb ziehen, dann verbreiten sie auch nicht Angst und Schrecken. Ein Leo Westermann ist erst 21 Jahre jung oder sein Teamkollege Vucic ist auch erst 24 Jahre, doch beide sind bereits die Führungs-Spieler bei Partizan Belgrad. In den beiden EL-Spielen gegen Bamberg haben mich beide Spieler fasziniert. Schade, dass keiner von beiden den Weg nach Bamberg findet. Das wäre für mich persönlich die größte Sensation. Egal, ich schweife ab. Solche Spieler findet man in anderen Ligen öfters. In Deutschland gibt es sie ebenfalls, Ole Wendt von Phönix Hagen zum Beispiel. Er ist auch erst 21, doch er kann einfach bereits heute Vieles, was Schmidt oder Tadda auch mit 30 nicht erlernen werden. Wendt ist mit seinen 21 Jahren bereits ein Führungs-Spieler seiner Mannschaft und nicht ein Talent, der in unbedeutenden  Spielen 5 Minuten Einsatzzeit bekommt, wenn der Trainer einen guten Tag hat. Mag sein, dass ich mich irre, soll ja vorkommen, aber in Schmidt sehe ich mittelfristig einfach keinen Mehrwert und somit auch keine Chance eine tragende Rolle für Bamberg zu spielen. Wenn er bleibt, dann wird er immer der Ergänzungs-Aufbauspieler bleiben. Ihm würde es sicherlich auch gut tun, zu einem anderen BBL-Club zu wechseln, bei welchem er mehr Minuten bekommt, um nicht für immer das „ewige Talent“ zu bleiben.

In dieser Saison hat er recht viele Minuten auch bekommen, und zwar aufgrund der vielen Verletzungen. Aus meiner Sicht hat er die Chance nicht wirklich genutzt. Er hat natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten gut gespielt. Doch warum kann so ein Spieler dann nicht einfach über sich hinauswachsen und explodieren? Schmidt hat in der EL sogar 12 Spiele absolviert, in nur drei (!) davon hat er eine positive Effektivität aufzuweisen, in fünf Spielen gar eine negative. Seine 3er Quote ist miserabel (14% TOP16 und 17% BBL Vorrunde). Dabei hat er in den Top16 im Schnitt immerhin 9:15 gespielt. Doch gerade in diesem Wettbewerb wurde es ganz deutlich: Schmidt ist einfach nicht gut genug, bzw. noch nicht so weit. Doch da sind wir wieder bei der Frage, ob es bei ihm mittelfristig die Aussicht gibt, sich zu verbessern? Ich weiß es nicht. Einfach nur sicher den Ball von der einen in die andere Hälfte vorzutragen ist für den Bamberger Anspruch, und auch meinen, zu wenig.

In den Playoffs hat er auch seine 3er besser getroffen, zwei ganz wichtige waren auch dabei. Ob das jedoch Grund genug ist, in der Zukunft weiter auf ihn zu setzen? Hamann war in seinem Alter bereits ein ganz anderes Kaliber.

Fairerweise muss aber konstatieren, dass er Bamberg in schweren Phasen, wenn Not am Mann war, ganz gut vertreten hat, national wie auch international. Das respektiere ich. Er muss sich jedoch selbst die Frage stellen, ob seine Rolle in Bamberg das ist, was ihn persönlich weiter bringt. Das kann ihm keiner abnehmen.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 1:37 0.0 0.0% 0.0% 0.0 0.0 0.0
EL TOP16 9:15 1.2 40.0% 14.3% 0.6 1.4 -0.6
BBL Hauptrunde 8:38 2.2 47.1% 16.7% 0.7 0.9 2.0
BBL Playoffs 3:42 0.7 0.0% 33.3% 0.3 0.8 1.0

Mein Wunsch für nächste Saison: Ausleihen an einen BBL Konkurrenten
Aktueller Status: Wird wohl in Bamberg bleiben

Neumann

Neumann ist von Natur aus ein unglaublicher Sympathieträger, oder anders gesagt, ein sympathischer Draufgänger im positiven Sinne. Ich mag ihn und ich mag seinen unbändigen Willen. Seine unorthodoxe Art Basketball zu spielen, macht ihn irgendwie auch einzigartig. Die Anmeldung zur NBA Summerleague hätte er sich allerdings sparen können.

Bei keinem anderen Spieler ist der Leistungsbruch zwischen BBL und EL so krass wie bei ihm. Wie will der allen ernstes in die NBA? Neumann ist derzeit ein sehr guter Spieler für die deutsche Liga, gegen international erfahrene Center sah er allerdings ganz alt aus mit seinen frischen 21 Jahren. Trotzdem, er hat sich zur Vorsaison mit am meisten weiter entwickelt. Vom reinen Wusler hat er sich im Laufe der Saison in die feste Rotation gespielt, und zwar nicht aufgrund der Verletzungen, sondern aufgrund seiner guten Leistungen. Apropos Leistungen. Diese waren leider extrem unkonstant, Genie und Wahnsinn wechselten sich von Spiel zu Spiel ab. Daran muss Neumann in der nächsten Saison sicher noch arbeiten.

Seine beste Leistung lieferte Neumann folgerichtig in den Playoffs. In manchen Spielen hatte er dabei gar eine entscheidende Rolle gehabt. Das freut mich sehr für ihn. Leider schwächelte auch er bei den Rebounds, da muss mehr gehen, insbesondere aufgrund seiner Position und seiner Größe, und das ist das zweite, woran er in der kommenden Saison arbeiten sollte.

In die NBA kann er gehen, wenn er regelmässig Spiele, wie am Ende der regulären Saison gegen Gießen abliefert, und zwar in der BBL und in der EL. Dieses Spiel bleibt für mich unvergessen. Neumann spielte einfach überragend und erzielte 24 Punkte. Das war das beste Spiel seines noch kurzen Lebens.

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 8:27 2.4 50.0% 0.0% 1.5 0.1 1.4
EL TOP16 10:26 3.3 65.2% 0.0% 1.7 0.8 3.2
BBL Hauptrunde 13:19 5.8 62.3% 0.0% 3.3 0.5 7.2
BBL Playoffs 10:38 5.6 63.9% 0.0% 3.4 0.1 7.4

Mein Wunsch für nächste Saison: Soll sich so weiter entwickeln und in der EL eine Schnippe drauf legen
Aktueller Status: Bleibt!

Zirbes

Zirbes, der Hoffnungsträger. Sein Einstieg bei den Brose Baskets ist fast schon tragisch. Er durfte, bzw. musste, in die riesengroßen Fussstapfen von Pleiß treten. Da sind auch die Erwartungen der Fans entsprechend hoch ausgefallen. Auch ich hielt Anfangs sehr große Stücke auf ihn. Leider waren die Fußstapfen von Pleiß und der Erwartungsdruck des Umfelds dann doch zu groß. Auf diese Weise verkrampfte Zirbes in den Spielen und die Fans wurden von Spiel zu Spiel immer ungeduldiger. Der traurige und vorläufige Höhepunkt wurde erreicht, als die eigenen Fans in der eigenen Halle lautstark mit „Zirbes raus!“-Rufen auf sich aufmerksam machten. Peinlich. Ich schäme mich dafür noch heute.

Es mag stimmen, dass er keinen guten Start hatte. Er war höchst verunsichert und vom Erwartungsdruck erschlagen. Seine Körpersprache sprach Bände. Dabei waren seine statistischen Werte gar nicht so schlecht. Er spiele recht solide, leider mit vielen unglücklichen Aktionen. Er wurde stets von allen Seiten mit seinem Vorgänger verglichen. Ich habe mir die Mühe gemacht und die erste Saison in Bamberg von Zirbes und Pleiß (2009/2010) zu verglichen (Stats siehe unten). Erstaunlicherweise haben die beiden Akteure nahezu identische Werte. Beide spielten im Schnitt 20 Minuten für Ihre Mannschaft bei einer Effektivität um die 11. Pleiß holte dabei mehr Rebounds und Zirbes erzielte dafür mehr Punkte. Und wenn wir alle ehrlich sind, dann war Pleiß in seiner erste Saison auch ein „Problemfall“, er spielte schlicht zu lasch und konnte sich körperlich nicht durchsetzen. Zirbes ist für mich auch der bessere CENTER. Er hat bessere Center-Bewegugen drauf und kann seinen Körper besser einsetzen. Was ihm noch fehlt sind hohe Reboundwerte, bzw. das richtige Ausblocken unter dem Korb. Das konnte Pleiß zwar auch nicht gut, aber mit seinen Affenarmen konnte er Vieles einfach herunter pflücken, auch wenn er dabei schlecht stand. Somit muss ich faireweise sagen, dass Zirbes den Vergleich zu Pleiß nicht scheuen braucht. Auch der Vergleich zu Pleiß’schen Saison 2011/2012 (drittes Jahr in Bamberg) ist gar nicht so schlecht. Hier muss sich Zirbes in der kommenden Saison allerdings auch steigern. Sein Saisonverlauf lässt jedoch positiv in die Zukunft blicken und die Fans haben sich mit ihm auch wieder versöhnt. Bei der Meisterfeier holte er dann auch die letzten Nörgler vom Dach. Ich finde eine Sache wird ebenfalls noch vergessen: Pleiß hatte in den Jahren immer sehr starke Führungsspieler neben sich: Slaugther, Hines, Tucker oder Suput. Zirbes musste mit Neumann und Anfangs der Saison mit einem pummeligen Ford zusammenspielen, von Ogilvy ganz zu schweigen. Somit lastete tatsächlich viel mehr Druck auf seinen Schultern. Pleiß konnte sich immer im Schatten der Großen verstecken und somit viel befreiter aufspielen. In großen Spielen übernahmen andere die Verantwortung, zumindest in seinen ersten zwei Jahren.

Wie Neumann hatte allerdings auch Zirbes in der EL, vor allem am Anfang, seine Probleme. Er ließ sich auf einfachste Art und Weise von erfahrenen Center veräppeln und sah dabei einfach nur wie eine Marionette aus. Ich fand es jedoch sehr charakterstark von ihm, dass er sich von all der schlechten Fan-Stimmung und der Heyder-Kritik nicht von seinem Weg hat abbringen lassen. Die letzten Spiele in der TOP16 und vor allem in den Playoffs waren alle sehr ordentlich und so musste ich tatsächlich innerlich den Hut vor ihm ziehen, wie schnell er es geschafft hatte, sich von einem Wackelkandidaten zum Leistungsträger zu entwickeln. Mach weiter so, dann werden wir alle noch viel Spass an Dir haben!

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 21:13 8.3 57.8% 0.0% 6.0 0.9 8.8
EL TOP16 18:29 8.1 51.1% 0.0% 4.2 0.4 6.8
BBL Hauptrunde 19:44 8.8 57.7% 0.0% 5.2 0.8 10.9
BBL Playoffs 19:42 9.2 71.0% 0.0% 4.8 0.8 12.1

Mein Wunsch für nächste Saison: Unbedingt halten!
Aktueller Status: Bleibt

Pleiß 2011/2012

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde 18.33 6.5 51.0% 0.0% 5.4 0.4 8.1
EL TOP16
BBL Hauptrunde 19:44 9.9 62.2% 44.4% 6.0 0.5 13.5
BBL Playoffs 21:12 10.8 58.2% 40.0% 6.2 0.6 14.6

Pleiß 2009/2010

Minuten PPG 2FG 3FG RPG APG Effektivität
EL Vorrunde
EL TOP16
BBL Hauptrunde 18:55 8.3 58.2% 80.0% 5.5 0.2 11.2
BBL Playoffs 20:33 7.2 52.7% 0.0% 7.1 0.6 11.7

Ich freue mich auf die neue Saison. Wenn die neuen Spieler besser einschlagen, und vor allen Dingen vom Verletzungspech der vergangenen Saison verschont bleiben, dann kann das nur eine sehr gute Saison werden. Vor dem FC Bayern … ähmmm ALBA … oder doch nicht? … brauchen wir uns jedenfalls nicht zu verstecken!!!

Bamberger Hall of Fame

von wbeyersdorf am 20. Juli 2013

Die Tradition des Bamberger Basketballs ist lang. Seit mehr als 40 Jahren wird dem orangenen runden Leder nachgejagt. In dieser Zeit haben hunderte von Spielern ihre Sneakers für Bamberg geschnürt, aber nur wenige haben einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen.
Die Auswahl der nun folgenden Spieler ist rein subjektiv und entspricht nur meinen Eindrücken. Objektive Kriterien wie erzielte Punkte, Rebounds oder ähnliche statistische Werte haben keinen primären Einfluss. Vielmehr zählt der Gesamteindruck, der Wert des Spielers innerhalb seiner Zeit und auch für die Mannschaft.
Aufnahme finden nur Akteure, die ich selbst habe spielen sehen. Deshalb fehlen auch die Helden der frühen Jahre Jim Wade und Duci Simonovic. Auch muss der Spieler mehr als nur ein Jahr für Bamberg gespielt haben.
Durch mein Auswahlraster gefallen sind zum Beispiel Jason Sasser, Kyle Hines und PJ Tucker die zwar alle hervorragende Ballers waren bzw. noch sind, aber zu kurz für Bamberg spielten um einen dauerhaften und bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die alphabetische Aufstellung geht los mit:

EnsmingerChris Ensminger

Als der US-Amerikaner 1999 in die Liga kam, ahnten nur die wenigsten (und er wohl auch nicht), dass er 2013 immer noch in der Bundesliga spielen würde. Ich kenne jetzt nicht alle sportlichen Lebensläufe der letzten Jahrzehnte, aber es wird sicher kaum einen ausländischen Spieler geben, der länger in Deutschland ununterbrochen aktiv war. Weißenfels, Bamberg, Paderborn und Bonn waren seine Stationen. Immer war er einer der tragenden Säulen seiner Teams. Als klassischer Brettcenter konnte er mit rechts und links in unmittelbarer Korbnähe Punkte erzielen. Ein filigraner Techniker war er nie, er beherrschte aber die Basics in Perfektion. Auch schien er immer zu erahnen, wo und in welche Richtung ein Rebound abprallen würde. Folgerichtig war er mehrere Jahre in Folge der Top-Rebounder der Bundesliga.
Kurios: als seine Freiwurfquote immer weiter sank, wechselte er die Wurfhand. So versuchte er es eine Zeit lang mit der linken statt mit der rechten Hand. Großen Einfluss auf die Quote hatte die Aktion aber nicht. Erst im Herbst seiner Laufbahn konnte er seine Freiwurfquote auf akzeptable 75% (mit rechts) steigern.
Auch, wenn sich seine Spielzeit im Laufe der vielen Jahre reduziert hat, er brachte immer die richtige Einstellung zum Sport mit. Nach dem Sommer kam er zu Saisonbeginn immer topfit aus dem Urlaub zurück. Fast schien es so, er hätte einen Jungbrunnen zuhause stehen. Er hat es verstanden seinen Körper zu pflegen und sich fit zu halten und so seine Karriere um etliche Jahre zu verlängern.
Müsste man jemanden suchen, der den Begriff Musterprofi verdient hätte, Chris Ensminger wäre die erste Wahl.

 

GavelAnton Gavel

Er findet als einer der wenigen noch aktiven Basketballer Aufnahme in meine persönliche Hall of Fame. Nach der vierten Meisterschaft in Folge ist er aus der aktuellen Bamberger Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Nicht nur sportlich ist er einer der Besten, sondern auch als Leader innerhalb des Teams nimmt er eine entscheidende Rolle ein. Sein basketballerisches Talent schien in jungen Jahren überschaubar. Nach Stationen in Karlsruhe, Gießen, Spanien und Griechenland war er ohne Beschäftigung, als im Herbst 2009 Bamberg Ersatz für den verletzten John Goldsberry suchte. Es ist für mich immer noch unerklärlich, dass er so lange unter dem Radar vieler Manager und Trainer blieb. In Bamberg erkannte man sehr schnell, welches unglaubliche Potential in ihm schlummert.
Das bisher erreichte hat er sich durch harte Arbeit verdient. Kaum ein anderer Akteur scheint so verbissen zu trainieren und zu versuchen sich zu verbessern. Er ist einer der wenigen die die Big Points erzielen können, die in der Crunch Time das Spiel an sich reißen und damit ihr Team auf die Siegerstraße bringen können. Trotz wesentlich höher dotierten Angeboten hält er bislang Bamberg die Treue.
Anton Gavel hatte in den vergangen Jahren sehr großen Einfluss auf das Bamberger Spiel, sei es als Scorer oder Führungspersönlichkeit. Dies macht ihn zum würdigen Hall of Famer.

 

HamannSteffen Hamann

Einige werden jetzt verdutzt reagieren. Was hat Steffen Hamann in einer Hall of Fame zu suchen?
Es ist unbestritten, dass er seit 1999, als er erstmals in der Bundesliga zum Einsatz kam, großes geleistet hat. Viele Jahre war er eines der Gesichter des Bamberger Basketballs. Seine Karriereleistung vom jungen Nachwuchsakteur zum Nationalspieler und Olympiateilnehmer verdient Respekt. Er spielte neben Bamberg auch noch in Berlin und aktuell in München. Sein kurzer Abstecher nach Bologna brachte ihm zwar einiges an Geld, aber keine sportliche Meriten ein. In seinen jeweiligen Teams verehrt, wenn nicht sogar geliebt, war und ist er für die gegnerischen Fans eine Reizfigur, an der man sich reibt.
Unstrittig ist sein Einsatzwille und die Einstellung zum Sport, auch wenn er offensiv immer limitiert war und ist. Seine Stärken hat er in der Defensive und als Antreiber seiner Teams. Er kann durch seinen Einsatzwillen ein Team mitreißen und macht so seit mehr als einem Jahrzehnt den Unterschied aus.
Für mich gehört er der Generation an, die den Aufstieg Bambergs aus den Niederungen der Liga zu höchsten sportlichen Erfolgen nicht nur mitgemacht, sondern entscheidend geprägt haben.
Darum hat er für mich einen Platz in der Hall of Fame verdient.

 

JackelMike Jackel

Er ist der nach erzielten Punkten erfolgreichste Basketballspieler in der deutschen Basketball-Bundesliga. Als „Mister Bundesliga“ brachte es der Small Forward in 17 Jahren auf 10.783 Punkte. Er war 1993 Europameister und jeweils viermal Deutscher Meister und Pokalsieger. Dies allein macht ihn schon zu einem würdigen Hall of Famer. Nimmt man die insgesamt und pro Spiel erzielten Korbpunkte zum Maßstab, war Jackel nach Dirk Nowitzki der erfolgreichste Nationalspieler der jüngeren Geschichte.
Als er 1990 von Galatasaray Köln nach Bamberg wechselte, brachte er eine Qualität mit, die man vorher noch nicht kannte. Er konnte nach Belieben punkten, ob nach dem Zug zum Korb, aus der Mitteldistanz oder aus dem Dreierland. Sein Signature Move war aber ohne Zweifel die Bewegung zum Korb, unter Bedrängung vom Gegenspieler mit Körperkontakt in der Mitteldistanz hochsteigen und sicher vollstrecken. Nicht selten wurde er dabei noch gefoult und kam dadurch zu vielen And-1. Zusammen mit Kai Nürnberger bildete er über Jahre hinweg das Rückgrat der Bamberger Mannschaften.
Er war kein Spieler der Wert auf Show legte, er zeigte lieber sein grundsolides, aber sehr erfolgreiches Spiel. In seiner Bamberg Zeit sah ich zum Beispiel nie ein Dunking von ihm.
Mit seinen Fähigkeiten würde er heute nicht in Bamberg spielen, er wäre mit Sicherheit ein hochbezahlter Akteur in einer der Ligen rund um das Mittelmeer.
Als er vor einigen Jahren anlässlich der 40 Jahr-Feier des Bamberger Profibasketballs in einem Showspiel mitwirkte, konnte man sehen, er hat auch mit 50 Jahren nichts von seinem Können verlernt.

 

JacobsenCasey Jacobsen

5 Meisterschaften und 4 Pokalsiege. Casey Jacobsen ist ohne Zweifel einer der erfolgreichsten Basketballer, die jemals in Deutschland aktiv waren. Mit der Erfahrung von 293 Einsätzen in der NBA, der nordamerikanischen Profiliga, brachte er ein Niveau nach Bamberg, das man vorher noch nicht kannte. Gleich in seiner ersten Spielzeit 2007 war er maßgeblich am zweiten Bamberger Titelgewinn beteiligt. Ihm wurde viel Verantwortung übertragen und er enttäuschte nicht. Nach einem Abstecher in die NBA nach Memphis und einem Jahr in Berlin fand er den Weg zurück nach Oberfranken. Mit ihm kam der Erfolg und die bislang erfolgreichste Zeit des Bamberger Basketballs. Der Kapitän ist das Herzstück des aktuellen Kaders und ist nicht nur dank seiner Einstellung, sondern auch wegen seiner sportlichen Leistungen ein Vorbild. Den sympathischen Kalifornier nur auf seine Stärken als Distanzschütze zu beschränken, würdigt in keinster Weise sein Können. Dank seines hohen Basketball-IQ hat er das Spiel verstanden. Er scheut sich nicht auch in engen Spielen und schwierigen Phasen Verantwortung zu übernehmen und den Abschluss zu suchen. Die Erfolge der letzten Jahre wären ohne ihn nicht denkbar. Deswegen gebührt ihm zu Recht ein Platz in der Hall of Fame.

 

NürnbergerKai Nürnberger

Als er 1991 nach Bamberg wechselte war er etwas pummelig und nicht wenige Basketballfans waren von seiner Verpflichtung nicht überzeugt. Aber recht schnell schlossen die Bamberger Anhänger Kai Nürnberg in ihr Herz ein. Er brachte die bei Aufbauspielern nicht immer vorhandene Eigenschaft mit, das Spiel seiner Mannschaft zu führen und sicher im Abschluss zu sein. Er ist sicherlich einer der besten deutschen Akteure, die nie Meister wurden. Mit Bamberg wurde er zwar 1992 Pokalsieger, zur nationalen Meisterschaft langte es mit den Oberfranken aber nie, dazu war in den 90ern Bayer Leverkusen zu dominant. Seine größten sportlichen Erfolge dürften aber die Olympia-Teilnahme 1992 und der Gewinn der Europameisterschaft 1993 sein. Nach dem Ende seiner Laufbahn zog er zusammen mit seiner amerikanischen Frau in die Nähe von Chicago.

 

RobertsBrian Roberts

Die Fans wussten wohl erst nach seinem Abgang aus Bamberg, was sie drei Jahre lang an ihm hatten. Als junger Spieler mit nur einer Saison Profierfahrung in Israel kam er 2009 nach Bamberg, wo seine Fähigkeiten aber recht schnell deutlich wurden. In seinen Adern muss Eiswasser fließen, denn mehrmals nahm er letzten und entscheidenden Wurf, den er auch hochprozentig traf. Ohne ihn wäre so manche enge Partie verloren gegangen. Spontan fällt mir ein Spiel gegen den italienischen Klub Biella ein, als Roberts mit zwei Dreiern in Folge einen fünf Punkte Rückstand innerhalb weniger Sekunden in eine Führung drehte und so den Sieg sicherte. Auch bei anderen Gelegenheiten  suchten seine Mitspieler ihn für den letzten Wurf. In seinem dritten Jahr in Bamberg schulte man ihn erfolgreich vom Shooting zum Point Guard um. Aber auch als Aufbauspieler konnte er überzeugen, ohne seinen absolut sicheren Wurf zu verlieren. Nach seiner Bamberger Zeit erhielt er einen Vertrag beim NBA-Klub New Orleans, wo er auch nach kurzer Zeit bereits zu gefallen wusste und sich als Rollenspieler etablieren konnte.

 

New Yorker Phantoms - Brose BasketsPeja Suput

Es war unglaublich mutig von ihm im Alter von 30 Jahren, ohne Fremdsprachenkenntnisse das heimische serbische Umfeld zu verlassen und nach Bamberg zu wechseln. Dies allein spricht schon Bände für seine Einstellung, sich vor nichts zu fürchten und nicht immer den leichten Weg zu gehen.
Bereits nach wenigen Partien wurde klar, er wird den Basketballfans noch viel Freude bereiten. Als Power Forward mit klassischer jugoslawischer Ausbildung, beherrschte er das volle Programm. Ein sicherer Wurf aus allen Distanzen war sein Markenzeichen. Aber unvergessliche war sein „serbischer Tango“, den er regelmäßig mit seinen Gegenspielern in Korbnähe tanzte. Er ließ die Gegner reihenweise wie Schulbuben aussehen, wenn er sie mit mehreren Finten ins Leere springen ließ, nur um anschließend mit Unterhandkorbleger den Ball einzunetzen. Fünf Jahre trug Peja Suput das Bamberger Trikot – die erfolgreichsten Jahre der Bamberger Basketballgeschichte. Auch in der Abwehr konnte er anfangs aggressiv verteidigen, wenn er denn wollte.  In Allerweltsspielen war seine Motivation nicht immer vorhanden, in wichtigen Partien aber, zeigte er sein Können. Er punktete dann nach Belieben und war dadurch ein unverzichtbarer Eckpfeiler der Bamberger Erfolge.

 

SweetKen Sweet

Der US-Amerikaner prägte wie kaum ein zweiter vor und nach ihm den Bamberger Basketball. Mehr als ein Jahrzehnt war er für die Oberfranken tätig und krönte seine Laufbahn mit dem Gewinn des deutschen Pokals 1992. In einer Zeit, als nur ein Ausländer je Team erlaubt war, kam es für den sportlichen Erfolg entscheidend darauf an, den richtige Akteur zu verpflichten. Das Ken Sweet dann fast 14 Jahre für Bamberg spielte, spricht für seine Klasse. Verantwortung zu übernehmen, das war seine Bestimmung. In sehr vielen Partien war er der Topscorer seiner jeweiligen Mannschaft. Mit seiner Athletik, Technik, Spielverständnis und Treffsicherheit war er den meisten Spielern (nicht nur beim Gegner) weit überlegen.
Für mich unvergessen ist das Spiel gegen Hagen 1985, als Ken Sweet fast im Alleingang einen 6 Punkte Rückstand binnen Sekunden in eine Führung umwandelte und Bamberg damit erstmals an die Tabellenspitze führte. Wer damals als Zuschauer in der Graf-Stauffenberg-Halle dabei war, wird diesen Tag niemals vergessen, auch dank Ken Sweet.

 

TaylorDerrick Taylor

Daddy Cool. Dies sagt eigentlich schon alles über ihn aus. Wenn seine Mannschaft Punkte brauchte war oft das Motto: Ball zu Taylor. Mit einer überragenden Technik ausgestattet, war er über einen sehr langen Zeitraum ein sehr dominanter Offensivakteur. Wie oft ärgerte man sich Bamberger Fan: „Nicht schon wieder dieser Taylor!“, wenn der US-Amerikaner im Dress des Gegners der eigenen Mannschaft wieder einmal viele Punkte einschenkte. Der stets sympathische Spieler kam erst im hohen Alter nach Bamberg und rettete die Mannschaft vor dem Abstieg. Er konnte nicht nur als Aufbauspieler in seiner Karriere stets überzeugen, auch als sicherer Vollstrecker war er eine Gefahr für den Gegner. Egal ob direkt am Korb oder aus der Distanz, er traf hochprozentig, wie man es in der Liga bis dahin nicht oft erlebte.
Nachdem er seine Karriere eigentlich schon beendet hatte und bereits als Trainer in Breitengüßbach aktiv war, wurde er im Frühjahr 2005 noch einmal reaktiviert weil sich Hurl Bechum am Knie schwer verletzte und verhalf damit Bamberg im zarten Alter von 41 Jahren zum Gewinn der ersten Meisterschaft.
Damit machte er sich für alle Bamberger Basketballfans unsterblich.

 

Heimnachteil

von wbeyersdorf am 26. Mai 2013

Ich weiß ja nicht, wer alles den Ulmer Center John Bryant als MVP gewählt hat. Aber am Sonntag Abend hat man ganz deutlich gesehen, wie wertvoll ein Anton Gavel für seine Mannschaft ist. Er ist das Herz der Bamberger, der unermüdlicher Antreiber, der Taktgeber des Spiels.

Zum verlorenen ersten Spiel der Play-off Halbfinalserie war kein Klassenunterschied zwischen Bayern München und Bamberg zu erkennen. Die Oberfranken zeigten die Tugenden, die sie in den letzten Jahren zu der führenden Mannschaft in Deutschland machten. Kann das alles von einem Akteur abhängig sein? Fast scheint es so.

Bamberg stabilisierte den Spielaufbau, ließ sich von den Münchenern selten den Ball klauen. Die Landeshauptstädter konnten kaum den Druck aufbauen, die sie zum Erfolg in Partie eins kommen ließ. Und sie nahmen den überragenden Mann vom letzten Mittwoch Tyrese Rice zwar nicht komplett aus dem Spiel, aber sie beraubten ihn seiner schärfsten Waffen. Er konnte nicht wie gewohnt aus der Dreierdistanz abschließen und er wurde wirkungsvoll vom Korb weggehalten.
Dies, und die Überlegenheit im Rebound, waren der Schlüssel zum Ausgleich in der Halbfinalserie.

Auch zeigte A.J. Ogivly endlich einmal wozu er fähig sein kann, wenn er denn fit wäre. Er traf sicher seine Korbleger, sonst seine große Schwäche. Neben Anton Gavel war Alex Renfroe ein wichtiger Faktor im Bamberger Spiel. Er führte klug Regie im Spielaufbau (7 Assist), holte wichtige Rebounds (insgesamt 8) und legte auch noch 15 Zähler auf. Es bleibt zu hoffen, dass er solch gute Leistungen konstant zeigen wird.

Habe ich vor einigen Tagen schon das Ende der Bamberger Vorherrschaft prognostiziert, hat mich ( und vielen anderen Bamberger Fans) die Mannschaft am Sonntag eines Besseren belehrt. Der Meister lebt!
Ich möchte jetzt nicht das Haar in der Suppe suchen, aber die gewonnene Partie ist ein Spiegelbild der gesamten Saison in denen Bamberg immer wieder schwankende Leistungen zeigte und selten Konstanz an den Tag legte. Vor einigen Wochen drückte ich schon meine Ratlosigkeit aus. Viel schlauer bin ich nach dem Sieg in München immer noch nicht. Dafür sitzt die Enttäuschung aus Spiel eins zu tief.
Aber man kann dem Bamberger Team eines nicht absprechen: Sie hat Charakter gezeigt und bewiesen, dass sie dem FC Bayern München das Feld nicht kampflos räumen wollen.

Der Druck liegt nun bei der Truppe von Coach Svetislav Pesiv. Sie haben den gestohlen Heimvorteil mit der Niederlage wieder verspielt. Fast scheint es so zu sein, dass in den bisherigen Halbfinalspielen der vier Mannschaften es keinen Heimvorteil, sondern vielmehr einen Heimnachteil gibt. Jetzt gilt es für Bamberg nachzulegen und mit einem weiteren Sieg den Druck auf die Bayern zu erhöhen.

Ich will jetzt nicht klugscheißen, aber anscheinend ist mein Bauchgefühl heute gar nicht so schlecht gewesen:

 

 

 

„Mannschaft, die nicht ansatzweise funktioniert“

von DRiW am 24. März 2013

Ich musste mich in den letzten Tagen oft selbst zurückhalten, hier ein paar Worte zum aktuellen Stand der Bamberger Basketballer zu schreiben, denn nach der Niederlage gegen ALBA war ich wütend, fassungslos und vor allem resigniert. Im Nachhinein bin ich froh, nichts geschrieben zu haben, denn es wäre kein schöner Text geworden. Ich will auch heute nicht viel sagen, denn das hat jemand in einem Radio-Interview für mich übernommen: Michael Körner von Sport1. Die Aussagen von M. Körner  spiegeln nahezu 1:1 meine derzeitige Sicht auf den Bamberger Basketball wider. Hier der Link zum Interview. http://sportradio360.de/_mp3/epi93-4-bbl.mp3

Ich möchte heute deswegen nicht selbst schreiben, sondern nur ein paar Aussagen von M. Körner zitieren:

„Ich mache mir große Sorgen um die Bamberger, weil ich glaube, dass da viel mehr schief gelaufen ist.“

„Sie haben dieses Jahr Pech gehabt und hier und da immer wieder mal personaltechnisch daneben gegriffen.“

„Sie haben jetzt tatsächlich eine Mannschaft, die nicht ansatzweise funktioniert. Die funktioniert nicht.“ 

Wenn Anton Gavel nicht wär, dann würden die jedes Spiel mit 15 Punkten verlieren.“

„Es ist keine Teamchemie.“

„Die haben sich komplett verrannt.“

„Ich sehe die Mannschaft ganz klar auf dem absteigenden Ast.“

Die haben ein Problem auf Center, weil Zirbes nicht richtig in die Gänge kommt.“

„Nachbar wirft nur noch Ziegelsteine gegen’s Brett“

„Ich find’s unfassbar, wie eine Mannschaft richtig zerbröseln kann, so habe ich das Gefühl.“

„Vielleicht übertreib ich auch jetzt, aber die strahlt nichts mehr aus. Null Komma Null. Die laufen da rum 40 Minuten, wie ein angeschossenes Eichhörnchen.“

M. Körner ist natürlich ein Medienmensch und drückt sich sehr plakativ aus. Doch die Kernaussagen stimmen. Schon interessant, wie ein neutraler Beobachter die Hauptprobleme der Bamberger erkennt. M. Körner ist sicher kein Blinder, er beschäftigt sich mit dem Basketball recht intensiv seit über 20 Jahren.

Ich für meinen Teil habe die Meisterschaft nach dem Spiel gegen Alba abgeschrieben. Vorher habe ich immer auf die Wende gehofft, bzw. auf eine Leistungs-Explosion. Aus den zwei Siegen in den TOP16 wird auch nichts. Der eine Sieg gegen Alba war fest eingeplant. Im derzeitigen Mannschaftszustand sehe ich gegen Panathinaikos und in Kaunas keine Chancen. Wir werden tatsächlich die A-Karte ziehen und uns mit 14 Niederlagen aus 14 Spielen aus der TOP16 verabschieden.

Doch diese Saison wird trotzdem etwas Gutes haben. Ich ordne diese Saison jetzt schon unter „Umbruch“ und „Lehrjahre in der EL“ ein. Der Bruch im Sommer war einfach zu gewaltig. Da hätte wirklich jedes noch so kleine Rädchen perfekt ineinander greifen müssen, damit die Erfolge der Vorjahre wiederholt werden können. Und dieses Glück hatte Bamberg in dieser Saison nicht, da ging einfach zu viel schief. Und seien wir alle mal ehrlich: In den letzten drei Jahren ist in Bamberg wirklich ALLES perfekt gelaufen. Wir haben teilweise den Bezug zur Realität verloren. Diese Saison haben wir jedoch den Boden unter den Füßen wieder. Und das ist wichtig, um in der neuen Saison die richtigen Lehren zu ziehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir im Herbst in Bamberg eine ganz andere Mannschaft sehen werden. Ich vertraue da voll und ganz auf Heyder und Co.

Zum Spiel bzw. Niederlage gegen Alba und den damit verbundenen Begründungen/Ausreden nur so viel:

Müdigkeit: Alba hat die gleiche Anzahl von Spielen absolviert, wie Bamberg.

Verletzungen: Auch Alba muss sich die gesamte Saison mit Verletzungen rumschlagen.

Personalwechsel: Auch Alba hat in dieser Saison vergleichbare Probleme mit dem Personal gehabt

Trotzdem gewinnt Alba beide TOP16 Spiele gegen uns und steht auch im Finale der Top4 (aktueller Stand gegen Ulm 53:51 Nachtrag 16:50 Uhr: Die Berliner holen den deutschen Pokal, besiegen Ulm locker 85:67 und wirken dabei am Ende viel frischer als die Ulmer, und das Mitten in den TOP16 und nach recht anstrengenden Spielen gegen Bamberg am Mittwoch und den FC Bayern am Samstag. So viel zum Thema Müdigkeit und Frische). Nach dieser Niederlage ist klar: Die Bamberger Mannschaft hat in dieser Saison einfach keine Seele, ich sehe nur Einzelkämpfer (wenn auch sehr gute). Alle Spiele, bei denen es um etwas Großes ging, gingen auch verloren (Ausnahme: Spiel gegen Belgrad – ich sage nur Zitterspiel). Und auch wenn Fleming ein Genie bei der Mannschaftsformung ist, so sehe ich es nicht, dass es ihm dieses Jahr bis zu den Play-Offs noch gelingt dies zu wiederholen. Warum? Weil einige Spieler es einfach nicht wollen und die Play-Offs bereits am 4. Mai beginnen. Bis dahin hat Bamberg noch 8 BBL und 2 EL Spiele (also 10 Spiele in 5 Wochen!!!). Viel Zeit zum Trainieren und zum Formen bleibt also nicht.

Dass diese Sicht nicht die einzig richtige ist, kann man im selbigen Interview in den Aussagen von André Voigt der Zeitschrift Five hören. Der Juni wird es zeigen…

„Eier, wir brauchen Eier!“

von DRiW am 03. Februar 2013

Mit einem weltbekannten Zitat eines Titanen fange ich meinen ersten Beitrag bei wbeyersdorf.de an. Meiner Meinung nach passt dieser Satz wie die Faust aufs Auge auf die derzeitigen Darbietungen der Bamberger Basketballer. Doch dazu später mehr.

Ich bin von Anfang an Passivleser bei wbeyersdorf.de und das ist schon wirklich recht lange her. Ich war immer großer „Fan“ dieser Seite, denn die konstruktive Kritik spiegelte meistens auch meine persönliche Meinung wieder. Deswegen bin ich jetzt schon recht aufgeregt, selbst ein Teil dieser Fanseite zu werden. Ich bin kein Basketballlehrer. Ich bin ein passionierter kritischer Basketball- und Sport-Fan. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich komme aber gleich zur Sache: Eier. Warum braucht Bamberg Eier? Schaut man sich die Spiele der gesamten EL Saison an (und die zwei Spiele gegen ALBA), dann wird ziemlich schnell deutlich, was der Bamberger Mannschaft in dieser Saison fehlt. Das sind Typen, die in kritischen Phasen die Eier in der Hose haben, das Spiel an sich zu reißen, die Mitspieler zu motivieren und notfalls auch in den Arsch zu treten und letztendlich, ein Spiel für ihre Mannschaft entscheiden zu können. Es gab in der EL genügend Spiele, in welchen solche Typen gefragt waren. Sie sind jedoch nicht erschienen und somit gingen die meisten davon auch verloren. Hätte Bamberg einen Anton Gavel nicht, der aus meiner Sicht der einzige ist, der dieses Kriterium einigermaßen erfüllt, dann hätte sich Bamberg noch nicht mal für die TOP16 qualifiziert. Mir läuft’s eiskalt den Rücken runter, wenn ich mich an das letzte und alles entscheidende Spiel gegen Zagreb erinnere. Mit viel Glück und wenig Verstand wurde das Spiel zwar gewonnen, doch die Frage ist wie. Wenn ich mir aber die ganzen Spiele in der TOP16 bisher ansehe, dann frage ich mich, ob das wirklich so gut war. In den letzten Minuten haben einfach Typen gefehlt, die das Feuer in den Augen hatten, was bei so einem Spiel zumindest erwartet werden muss. Stattdessen hatten alle Spieler die Hosen voll, gaben die Verantwortung ab oder versteckten sich.

Ganz schwindelig wird mir ebenfalls, wenn ich an das vorletzte Spiel in der Vorrunde gegen Rytas denke. Da hätte der Einzug in die TOP16 bereits gebucht werden können. Und auch die vielen „knappen“ EL Niederlagen sind aus meiner Sicht auf dieses Manko zurückzuführen. Bamberg spielt gut mit, so lange der Gegner es zulässt. Macht der Gegner ernst, dann beugt sich Bamberg mehr oder weniger seinem Schicksal und die Spiele gehen verloren. Hinterher sagen alle, wie traurig es ist, so knapp zu verlieren. Es „sei ungerecht“ aus so einem Spiel ohne „verdiente“ Belohnung raus zu gehen. Das ist die Fleming’sche Standardaussage nach diesen Spielen. Doch wer hat sich ernsthaft gewehrt, wer hat mit aller Macht gegen die Niederlage gekämpft? Ein Gavel alleine reicht dann einfach nicht. Die Gegner wissen das und stellen ihn zu. Doch wo sind dann die anderen Kandidaten? Nachbar, Jacobson? Fehlanzeige. Neumann, Schmidt und Tadda überfordert. Ogilvy verletzt oder neben der Kappe. Zirbes ist diesen Phasen oft mit zu vielen Fouls vorbelastet bzw. er schaut gegen EL Center ohnehin oft ganz schlecht aus. Goldsberry zeigt in diesen Phasen manchmal Eier, jedoch nicht konstant. Ford war in der Vorrunde eher ein Witz, aktuell wäre er nach Gavel ein zweiter Kandidat. Gipson ist mit sich selbst überfordert…

Doch wenn man in der EL TOP16 Spiele gewinnen will, oder gegen ALBA (autsch), dann reicht das schlicht und ergreifend nicht. Wir brauchen Eier in allen Mannschaftsteilen. Alle müssen heiß sein, alle müssen über sich hinauswachsen. Alle müssen den Schaum vor dem Mund haben. Ich habe das in dieser Saison bisher kaum, oder wenn man ehrlich ist, gar nicht gesehen. DAS ist das Hauptproblem! Deswegen wird man auch weiterhin die Spiele „knapp“ verlieren, wenn sich die Einstellung der Spieler nicht bald ändert.

Ich sehe das so: Man kann in den meisten Mannschaftssportarten durch folgende Kriterien erfolgreich sein:

  1. Qualität der Einzelspieler
  2. Mannschaftsgeschlossenheit
  3. Motivation
  4. Kampf

In der BBL gewinnt Bamberg derzeit hauptsächlich aufgrund des ersten Kriteriums nahezu alle Spiele, denn dafür reicht es noch. Die Erfolge der letzten Jahre sind jedoch vor allem auf die Punkte 2-4 zurückzuführen. Die Mannschaftsgeschlossenheit war der Star der Mannschaft. Das Mannschaftsgefüge war hervorragend. Wenn der Gegner es erforderte, dann wurde durch Motivation und Kampf der Gegner komplett an die Wand gefahren.

In der EL versucht Bamberg in dieser Saison die Spiele aufgrund des ersten Kriteriums zu gewinnen. Man misst sich mit den meisten EL Mannschaften auf Augenhöhe. Und genau das ist der Fehler. Bamberg hat nicht die Spieler, nicht die Qualität in der Mannschaft, um in der EL zu bestehen. Deswegen müsste gerade über die Bamberger Tugenden ins Spiel gefunden werden. Doch das ist leider zu oft nicht der Fall. Leider. Die zwei Niederlagen gegen ALBA waren ein Musterbeispiel dieses Vergleichs. Bamberg dachte, sie könnten wie in den Vorjahren leicht gegen Alba gewinnen. Als das nicht aufging, konnten sie in keinster Weise durch den Kampf, Motivation oder durch Mannschaftsgeschlossenheit die Lücke schliessen. Ein Jammer. Wie oft sehen wir in dieser Saison die Mannschaft sich gegenseitig abklatschen? Wie oft sehen wir die Mannschaft auf dem Feld diskutieren? Wie oft sehen wir die Mannschaft auf dem Feld in alter „Stafford“-Manier um jeden Ball kämpfen? Seien wir doch mal ehrlich.

Will man die EL (noch) rocken, will Bamberg die EL rocken, dann geht das NUR durch Mannschaftsgeschlossenheit, jeder Spieler muss über beide Ohren motiviert sein und bereit sein, auf dem Feld ein „Stafford“ zu sein. Oder: „Eier, wir brauchen Eier!“.

Schon in wenigen Tagen, am Donnerstagabend, hat Bamberg die Möglichkeit mich vom Gegenteil zu überzeugen. Es ist ein „alles oder nichts“ Spiel. Es ist ein Spiel der alten Bamberger Tugenden. Wird sich Bamberg auf die Qualität der einzelnen Spieler verlassen, geht das Spiel verloren. Besinnen sie sich wieder auf die Kriterien 2-4, dann freue ich mich auf das Spiel und einen grandiosen Sieg gegen den „großen“ FCB, der unter Pesic für mich persönlich zu einem Meisterschaftskandidaten reift.

P.S. Ich vermisse Suput, bzw. seine Eier.

Verloren? Gewonnen!

von E.M. Luft am 30. November 2012

Ja, verloren – aus meiner Sicht fast ein bisschen unglücklich (zittrige Hände, manche fragwürdige Schiedsrichterentscheidung) – aber dennoch wegen der überragenden Leistung der Moskoviter, insbsondere von Teodosic und Christmas, nicht unverdient!

Nein, gewonnen – weil jetzt endlich – nach überstandener Krankheit von Nachbar und Schmidt deutliche Steigerungen erkennbar waren.

Besonders das Zusammenspiel der Mannschaft steigert sich sichtbar von Spiel zu Spiel. Besonders Goldsberry scheint doch wieder der „Alte“ zu werden, gestern sogar mit drei erfolreichen Würfen! Als Spielmacher sind seine Qualitäten sowieso unbestritten. Und diese setzt er immer mehr zur Freude seiner Mitspieler um! Freilich wird er nie ein Teodosic werden (dessen Zuckerpässe wirklich eine Augenweide waren), aber allmählich  merkt man ihm eigentlich keine Verletzung oder Wehwehchen mehr an.

Auch der Kapitän, Casey Jacobsen, scheint seine Zielsicherheit wieder gefunden zu haben. Dazu kommt, dass er häufiger als früher erfolgreich zum Korb zieht um einen Korbleger oder Floater zu machen oder aber den Ball an einen Center durchsteckt.

Besonders zu erwähnen ist auch Neumann, der den Ball immer fest ergreift und auch festhält (!!!) und ohne Umschweife (unnötiges Zwischendribbeln) zum Dunk kommt. Das hat Pleiss erst in seinem dritten Jahr manchmal geschafft und auch Zirbes kann es  nicht so konsequent!

Über die Qualitäten von Gavel und Nachbar muss man erst gar nichts sagen, die sind einfach Spitze.

Aber auch, dass der Ball wieder über mehrere Stationen gepasst wird und der besser postierte Mitspieler gesucht wird, sehen wir jetzt immer öfter.

Für die BBL wird das sicher auch weiterhin reichen, besonders wenn Gavel endlich seine deutsche Staastbürgerschaft bekommen hat und Ogilvy richtig gesund und in die Mannschaft integriert ist.

In der Euroleague können wir nur hoffen, dass sich der Aufwärtstrend, der deutlich erkennbar ist, beibehalten werden kann und wir Zuschauer weiterhin so gute Spiele mit Weltklassespielern in Bamberg sehen wie gestern!

Team ohne Führung

von wbeyersdorf am 03. November 2012

Spätestens als sich die Leistungsträger vergangener Jahre verabschiedeten, musste den Fans klar sein, dass der Start in die Saison 2012/13 würde holprig werden. In der Phase des Umbruchs und Neuaufbaus ist es wichtig Spieler zu haben, die der Mannschaft Stabilität und Führung geben können. Dem Starting Five Aufbauspieler kommt dabei ganz entscheidende Bedeutung zu. Bamberg ging mit Gipson, Goldsberry, Schmidt und Gavel im Backcourt in die Saison. Sich auf Akteure zu verlassen, die entweder mehr als 1 Jahr verletzungsbedingt nicht gespielt haben (Goldsberry), noch lernen müssen (Schmidt), eigentlich keine richtigen Spielgestalter sind (Gipson & Gavel), war und ist sehr fahrlässig. Solch eine Strategie kann in Jahren gutgehen, in denen nicht die Mannschaft fast komplett neu zusammengestellt ist.

In der jetzigen Bamberger Lage muss man aber sagen, dass Experiment ist gescheitert. John Goldsberry machte zwar beim Sieg gegen Vilnius eine gute Partie, kann solche Leistungen aber zur Zeit nicht konstant bringen. Wann Daniel Schmidt nach seiner Erkrankung wieder auf dem Parkett stehen wird, ist noch unklar. Man sollte aber nicht den Fehler begehen, alle Hoffnungen auf Besserung im Spielaufbau alleine auf ihn setzen. Anton kann nicht in jedem Spiel den besten gegnerischen Akteur decken, im Angriff hochprozentig treffen und auch noch das Bamberger Spiel lenken. Alles zusammen funktioniert auf Dauer nicht.

Und Gipson ist sowieso ein spezieller Fall. Er ist mit unglaublichen Offensiven Fähigkeiten ausgestattet, ein Floor-General ist er aber nicht. Leitet er den Spielaufbau ist man als Fan hin- und hergerissen. Es gibt Tage, da überzeugt er als Regisseur, und dann gibt es Tage an denen er dem Bamberger Spiel kaum eine Struktur gibt. Diese Phasen können sich aber auch innerhalb einer Partie abwechseln. Konstant sieht aber jedenfalls anders aus. Und es soll keiner glauben, dass ein bald 33jähriger Basketballspieler sich noch groß weiterentwickeln kann. Wäre er 10 Jahre jünger, würde ich daran glauben.

John Goldsberry machte am Freitag gegen Vilnius ein gutes Spiel, er traf einen wichtigen Dreier und machte im Angriff keine großen Fehler. Aber kann man damit schon zufrieden sein? Kann er eine/seine Mannschaft dauerhaft führen? Ich habe da so meine Zweifel.

Ein weiteres Sorgenkind ist Sharrod Ford, der am Freitag ganz klar nicht seinen besten Tag hatte. Es kann nicht sein, dass am Ende der 24 Sekunden, die man im Angriff zur Verfügung hat, Sharrod Ford als letzte Option den Ball an der Dreierlinie bekommt und unter Zeitnot und Bedrängnis vom Gegner sein Glück suchen muss. Er ist nicht gerade als Dreiergott bekannt, dies sollte auch den Aufbauspielern bewusst sein. Und da kommt man wieder zum Eingangsthema Führung.

Latavious Williams wurde am Freitag früh beim McDonalds gesehen. Am Mittag erhielt ich die Nachricht, dass er nicht mehr für Bamberg spielen werde. Am Abend gibt brose baskets bekannt, Williams hätte sich einen Magen-Darm-Virus zugezogen und stehe deswegen nicht im Kader. Was stimmt jetzt? Was ist die Wahrheit? Ich weiß es nicht, man kann nur spekulieren. Vielleicht hat er sich wirklich nur den Magen verdorben, vielleicht steckt aber auch mehr dahinter. Spätestens am Montagabend werden wir es wissen, ob er der Partie gegen Frankfurt beiwohnt.

Transfergeflüster

von wbeyersdorf am 23. Juni 2012

Das Fieber steigt, die Bamberger Basketballfans sind ganz unruhig, können es kaum noch erwarten. Was ist passiert? Geht die Saison doch noch weiter?

Nein, was die Anhänger zur Zeit bewegt, sind die vielen Gerüchte, die sich einzig und alleine um die Fragen drehen:
Welcher Spieler bleibt?
Welcher Spieler geht?
Und welcher Spieler kommt?

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht gefragt werde: Wie schaut es aus? Weißt du was? Hast du schon gehört?

Eines sei gleich mal klargestellt: Niemand weiß etwas genaues. Nicht 99% derjenigen, die irgendwelche Kaderpläne in diversen Internetforen posten. Nicht diejenigen, deren Schwager beim Stammtisch etwas aufgeschnappt hat. Und auch nicht ich.
Halten wir uns an die Fakten: Suput, Pleiß und Slaughter sind definitiv weg und Zirbes dockt neu in Bamberg an.
Gavel hat mit München verhandelt und ein sehr gutes Angebot erhalten. Ob die kolportierten Summen von über 400.000 € p.A. stimmen, werden nur er und seine Verhandlungspartner in München wissen. Angeblich (!) hat er aber bereits vor Wochen in Bamberg unterschrieben mit einer Ausstiegsklausel bis 30.06.2012, falls er doch noch ein besseres Angebot erhält. Ob ein besseres Angebot unbedingt mehr Geld beinhalten muss und welche Prioritäten Anton Gavel setzt, kann keiner wissen. Vielleicht geht es ihm gar nicht so sehr um das Geld, sondern ein intaktes Umfeld, ein guter Coach sind ihm wichtiger als noch mehr Geld auf dem Konto.

Ähnlich liegt der Fall bei Brian Roberts. Letztes Jahr versuchte er in Europa einen höher dotierten Vertrag zu erhalten, ist mit seinem Unterfangen aber ziemlich auf der Nase gelandet. So kam er dann kleinlaut wieder nach Bamberg zurück und Bambergs Manager Wolfgang Heyder wäre nicht der schlaue Fuchs, wenn er die (Not-)Lage der Familie Roberts nicht ausgenutzt und den Spielmacher im Preis gedrückt hätte.
In diesem Sommer sieht die Sache vermutlich anders aus, denn die gute Leistungen haben sich herumgesprochen und Brian Roberts dürfte sicherlich gute Angebote erhalten haben.
Auch für ihn stellt sich nun die Frage: Bleibe ich für weniger Geld in Bamberg und weiß, was ich habe, das Geld ist pünktlich am Monatsende auf dem Konto, meine Frau und Kind fühlen sich wohl? Oder wechsel ich für mehr Gehalt in ein Land, wo die Lage nicht so stabil ist wie in Deutschland und auch die sportliche Zukunft unsicher ist?
Es hängt halt immer von der persönlichen Einstellung ab. Manche Typen sind bodenständiger und bevorzugen Stabilität und Konitinuität (bestes Beispiel ist Chris Ensminger). Zu diesen Menschen zähle ich Brian Roberts. Es gibt aber auch die anderen Typen, solche wie Marcus Slaughter und auch P.J. Tucker.

Marcus Slaughter war in seiner gesamten Karriere schon immer ein Wandervogel, der gerne jedes Jahr woanders spielte. Darum verwundert mich sein Abgang aus Bamberg nicht. Ausserdem wird er bei Real Madrid sicher ein paar Euros mehr erhalten als im Frankenland.
P.J. Tucker ist auch der typische Vertreter eines Basketballsöldners. Dies soll keinesfalls abwertend gemeint sein. Wer würde nicht seinen Arbeitgeber wechseln, wenn er bei der neuen Stelle das doppelte verdient? Wie schon geschrieben, es kommt halt immer auf das persönliche Umfeld und auch auf die Herkunft an. Wenn man aus den Südstaaten der USA kommt und nicht unbedingt in einer privilegierten Umgebung aufgewachsen ist, dann kann ich die Einstellung, nur auf das Geld zu schauen und seine Talente an den meistbietenden zu verkaufen, sehr gut verstehen.
Darum glaube ich auch nicht an ein Verbleib P.J. Tuckers in Bamberg. Es wird sich garantiert ein Klub finden, der ihm so viel Geld bietet, dass er einfach nicht nein sagen kann. Und wenn es sein muss, dass er dann 9 Monate kaum Tageslicht sieht, weil er in einer Gegend spielt, wo der ewige Winter herrscht.

Vielleicht kommt es aber ganz anders und wir werden auch in der neuen Saison alle Spieler wieder im Bamberger Trikot auflaufen sehen. Denn: was wirklich hinter den Kulissen läuft, wissen nur die daran Beteiligten. Ausserdem sollte man nicht alles glauben, was so in der Öffentlichkeit erzählt wird. Wolfgang Heyder ist ein Meister seines Fachs, mit allen Wassern gewaschen und perfekt daran, zur rechten Zeit auch mal Nebelkerzen zu zünden, um seine wahren Absichten zu verschleiern. Ich vertraue ihm und seiner Arbeit und bin mir sicher, dass die Fans auch in der nächsten Spielzeit wieder eine Mannschaft sehen werden, die nicht schlechter ist, als die der abgelaufenen Spielzeit.

Finale? Finale!

von wbeyersdorf am 29. Mai 2012

Privat wie im Berufsleben ist es doch erfreulich, wenn Ziele, die man sich steckt, erreicht werden. Die Bamberger Basketballer haben mit dem Finaleinzug ihr Mindestziel erreicht. aber wer im Finale steht, möchte sich damit nicht zufrieden geben. Nein, der Meistertitel muss das Ziel sein. Wie das zu schaffen ist, wissen die Bamberger ganz genau.

Für Finalgegner Ulm jedoch ist dies eine ganz neue Erfahrung. Warum sie die Hauptrunde auf Platz 2 abgeschlossen haben und durch die Playoff gepflügt sind, das wissen sie an den Donau wohl selbst nicht so genau. Klar, sie haben gute Spieler, die aber individuell betrachtet sicher nicht stärker sind, als die Bamberger. Also muss es das Kollektiv, die mannschaftliche Geschlossenheit sein, die für den Ulmer Höhenflug verantwortlich ist.
Mir scheint als hätten die Verantwortlichen bei der Ami-Lotterie die richtigen Lose, pardon Spieler, gezogen um erfolgreich Basketball spielen zu können. Die ist ja erst mal nicht verwerflich, man wird aber sehen müssen, wie sich das Ulmer Programm weiter entwickelt. Helfen würde auf jeden Fall eine deutsche Meisterschaft. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. Ich sehe die Finalserie als ausgeglichen an, mit leichten Vorteilen auf Bamberger Seite. Ausschlaggebend für Bamberg könnte der Heimvorteil sein, was im Übrigen auch Artland gespürt hat.

Jedenfalls sollten die Bamberger Basketballfans sich freuen die Mannschaft in der jetzigen Zusammenstellung zu sehen. Denn es ist schon klar, dass das Team in der nächsten Saison ein anderes Gesicht haben wird. Im worst case verliert Bamberg vier Spieler aus der starting five. Der Abgang Tibor Pleiss scheint schon fest zu stehen, die Frage ist nur wohin. Ob er gleich in die NBA zu Oklahoma City wechselt, oder erst noch ein Jahr im europäischen Ausland spielt, ist noch nicht geklärt. Ebenfalls besiegelt scheint der Wechsel Marcus Slaughter zu Real Madrid. Nachdem die Spanier ihn bereits im Winter haben wollten, und auch der Spieler einem sofortigen Wechsel nicht abgeneigt schien, soll der Wechsel nun im Sommer stattfinden.
Der dritte Kandidat für einen Abgang ist P.J. Tucker, der es entweder nochmal in der NBA versuchen möchte (aus meiner Sicht keine Chance, da zu klein) oder mit einem hochdotierten Vertrag irgendwo in Europa liebäugelt. Machen wir uns nichts vor, Tucker ist der Prototyp eines freiberuflichen Basketballakteurs. Er trägt seine Talent zwar nicht zum South Beach, aber dorthin, wo am meisten gezahlt wird. Loyalität oder auch Verbundenheit zu einem Basketballprogramm sind Eigenschaften die für ihn nicht an erster Stelle stehen. Aus seiner Sicht ist dieses Handeln durchaus verständlich, auch wenn es uns Fans schmerzt.
Un ob Brian Roberts nach dieser, auch für ihn persönlich, guten Saison in Bamberg zu halten sein wird, ist noch nicht entschieden.
Und der letzte, der auf der Wunschliste eines großen bayerischen Klubs steht ist Anton Gavel. Aber ist ja auch kein Geheimnis. Ob er sich für das ganz große Geld, oder doch für die Liebe entscheidet, steht noch nicht fest. Als Option gibt es noch einen Wechsel nach Spanien, um seiner Freundin wieder näher zu sein. Ob der Umbruch nun groß oder doch nur klein ausfallen wird, hängt auch davon ab, ob Bamberg wieder Meister wird und damit sich das Recht erwirbt in der Euroleague spielen zu dürfen.

Wie auch immer, es werden spannende Finalbegegnungen werden. Der Tisch ist gedeckt, mögen die Spiele beginnen.

Nur noch 4

von wbeyersdorf am 26. Mai 2011

Nach E.M. Luft muss ich auch noch meinen Kommentar zum Spiel loswerden:

Politisch ist es nicht ganz korrekt, aber Bambergs Erfolg am Dienstagabend gegen Artland war ein Sieg des Willens. Wenn die Bamberger Mannschaft mit der richtigen Einstellung in eine Partie geht, wenn der Kampfgeist und das Engagement stimmen, dann ist es höchstwahrscheinlich, dass man am Ende als Sieger das Parkett verlässt. Eigentlich sollte man diese Eigenschaften in jeder Partie erwarten, doch auch Basketballspieler sind nur Menschen.

Ein Bekannter sagt immer, in solchen Spielen zeigt sich, wer für Männersport bereit ist. Auf Bamberger Seite war jedenfalls der Einsatz höher, man hob das Energielevel auf ein für die Artländer nicht zu erreichendes Niveau.

Spätestens seit dieser Begegnung sind die Bamberger in den Köpfen der Niedersachsen. Besonders deutlich ist dies bei Ruben Boumtje-Boumtje zu merken, der wiederum zweimal spektakulär von Kyle Hines geblockt wurde. Vermutlich träumt er die nächste Zeit von ihm. Die Verunsicherung beim Drachen ist spürbar und überträgt sich mittlerweile auf den gesamten Frontcourt der Quakenbrücker. Auch ein Robert Kurz und Nathan Peavy waren ein Schatten ihrer selbst, spielten ohne Elan und Durchsetzungsvermögen.

Bambergs Abwehrarbeit war auf dem Level, welches man die gesamte Saison über gewohnt war. Das Beeindruckte bei Bamberg war nicht zum ersten Mal die Ausgeglichenheit des Kaders.

Diesmal war es Anton Gavel, der in der Abwehr Rice und Bailey schwer zusetzte und auch offensiv mit 20 Punkten glänzte.
Kyle Hines lieferte nicht nur in der Defensive wie schon beschrieben eine Galavorstellung ab, sondern setze sich unter dem Artländer Korb glänzend durch. Es ist immer wieder imponierend wie er das Mismatch gegen wesentlich längere Gegenspieler für sich auszunutzen versteht. Er ist beweglich wie ein Aufbauspieler, hat dafür die Sprungkraft einer Gazelle. Seinen Druckkorbleger (auch als Dunking bekannt) aus dem Stand ließ die Zuschauer von den Sitzen aufspringen.
Einen Fleißpunkt verdiente sich auch Reyshawn Terry, der von Coach Fleming ganz offensichtlich Wurfverbot aus der Distanz erhalten hatte. Dies hielt er zwar nicht ganz durch, aber nach vier krachenden Windwill und Alley-Oop Dunks ging es mit ihm durch und er nahm zwei Würfe, die er dann aber nicht traf. Er sollte in Phasen, in denen seine Mannschaft seine Unterstützung braucht nicht versuchen mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und den Korberfolg erzwingen. Dies war, neben anderen Faktoren, einer der Gründe für die Niederlage im zweiten Spiel.

Es steht nun in der Serie 2:1 für die Oberfranken und ich bin mir ziemlich sicher, es wird keine fünfte Partie mehr geben. Bamberg wird die Serie am Samstag in Quakenbrück entscheiden. Nachdem in den Play-off bislang die großen Überraschungen ausgeblieben sind, kein Team plötzlich einen Höhenflug starten konnte, also sich die Form der Hauptrunde in den Ergebnissen widerspiegelt, wird Bamberg sich nicht nur gegen Artland, sondern auch in einem möglichen Finale durchsetzen.