Eurocup Ade?

von E.M. Luft am 30. Januar 2014

Angefangen wie die Feuerwehr, eingegangen wie Primeln….

So in etwa empfand ich das gestrige Spiel. Man mag gar nicht Einzelne oder die Mannschaft kritisieren, man hat – auch im Foyer der Halle – das Gefühl irgendetwas stimmt nicht in dieser Mannschaft!

Die Türken aus Ankara konnten das Spiel, vielleicht mit Ausnahme des dritten Viertels, beherrschen wie sie wollten. Freie Dreipunktwürfe, Halbdistanz oder unter dem Korb, sie waren uns in allen Belangen überlegen.

Einziger Lichtblick war die Freiwurfausbeute von Wright, bei dem ich einen veränderten Wurf zu erkennen glaube.

Symptomatisch dagegen das schnelle Abtauchen des Trainergespanns nach der Niederlage, nachdem zur Halbzeit Wolfgang Heyder schon Arne Woltmann gewaltig „den Kopf gewaschen“ hatte.

Bezeichend auch die Aussage von Harris heute in Radio Bamberg: „Nicht so schlimm, schließlich haben wir gegen Bayreuth gewonnen.“

Stego von Radio Bamberg meinte im selben Bericht, Michael Stoschek sei mit düsterer Mine durch die VIP Lounge getigert.

Zum Schluss eine absolut eigene Meinung: Man muss die Verdienste des Trainerteams um die Erfolge der Mannschaft in Deutschland in den letzten Jahren absolut anerkennen, aber genauso sei die Frage erlaubt, ob dieses Gespann uns in Europa weiter bringt. Auch die Aussage, dass die Trainer Spieler besser machen würden, kann man derzeit so nicht stehen lassen. Welche Fortschritte machen Zirbes, Velickovic oder Smith in dieser Saison? Im Gegenteil sind meiner Meinung nach bei Goldsberry, Gavel und Jacobsen – auch wenn dieser z. Zt. wieder trifft – eher Rückschritte festzustellen – leider!

Auch die Serie von Verletzungen trifft andere BBL Mannschaften viel mehr als Bamberg, zumal man ja einen recht großen Kader zur Verfügung hat.

Vielleicht sollte man doch einmal über einen Trainerwechsel nachdenken, zumal ja mit Duncan einer weniger auf der „Payroll“ steht.

Wenn man sieht, wie die echten Spitzenmannschaften ausgefuchst und hervorragend vorbereitet in Bamberg auftreten, wie sich selbst Weltstars wir Teodosic, Navarra und andere ihren Trainern unterordnen, davon bemerkt man in Bamberg nur wenig!

4 Gedanken zu „Eurocup Ade?

  1. Victor Feiler

    In aller Deutlichkeit: Das war die Zeitenwende im Bamberger Basketball!
    Eine Niederlage gegen Ankara. Vorbemerkung. Bamberg spielt nicht mehr gegen Real Madrid und Co. Nein. Es lässt sich jetzt auf europäischer Ebene von zweitklassigen Vereinen vorführen. Die Ansprüche… Die Realität…!
    Die ganze Saison verdeutlicht mit unterschiedlicher Ausprägung ein Faktum: Das was Bamberger Basketball ausmachte, seit Jahrzehnten, die Leidenschaft, das unbedingte Wollen, der Bamberger Teambasketball als erfolgreiches Gegengewicht zum Primaballerina-Selbstdarstellungskunstbasketball (der leider von einigen Spielern dieser Saison perfektioniert worden ist), den gibt es nicht mehr. Jahrzehnte erfolgreichen Basketballs werden in nur wenigen Monaten weggeblasen. Weggeblasen von Arroganz, Überheblichkeit, Träinern, die scheinbar die Spieler nicht mehr erreichen und von Spielern, die mit ihrer Einstellung überall spielen sollten. Nur Nicht in Bamberg. Früher verband man Bamberger Basketball auch und gerade mit einem Schuß Anarchie, Vielfalt, Leidenschaft. Heute? Basketball in Bamberg degeneriert zu einer Abteilung eines Konzern. Diese Abteilung erhält Vorgaben durch die Konzernspitze. Alles was den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen widerspricht wird ausgelöscht und nicht beachtet. (Viele kleine Sponsoren, Vielfalt). Und so spielen auch die Spieler: Als Angestellte eines Konzerns. Nicht mit Leidenschaft sondern mit der selben Berechnung wie es das brose Management vormacht. Der Bamberger Basketball. Er ist nicht mehr. Er ist Opfer der Philosophie, dass viel Geld der einzige Maßstab ist. Übrigens zur Erinnerung. Die Meisterschaften holte man, da war das Diktat durch eine Konzernphilosophie noch nicht so ausgeprägt.

  2. DRiW

    Das derzeitige Geschehen auf den Konzern Brose abzuschieben empfinde ich als absoluten Unsinn. Ich schliesse mich jedoch der Diskussion um den Trainer an. Seit 1,5 Jahren hört man nach unzähligen höchst fragwürdigen und zum fremdschämen einladenden Niederlagen in wichtigen (KO) Spielen immer dieselben Ausreden. Ich kann Fleming und seine Ausreden mit diesem Ich-Werde-Mir-Die-Mannschaft-Jetzt-Erst-Recht-Vorknüpfen Gesichtsausdruck einfach nicht mehr hören.

    Fakt ist, wie E.M. Luft es wunderbar getroffen hat., auf internationaler Ebene ist Bamberg in kleinster Weise wettbewerbsfähig bzw. kein Faktor:

    – Letztes Jahr mit Mühe und Not in die TOP16 qualifiziert
    – In den TOP16 die A-Karte gezogen mit 14 Niederlagen aus 14 Spielen
    – Dieses Jahr nicht mal in die TOP16 qualifiziert, dabei war die Gruppe um einiges einfacher als letztes Jahr. Dabei viele unterirdische Spiele abgeliefert
    – Gegen Kaunas das alles entscheidende Spiel vergeigt, dabei war Kaunas bereits qualifiziert. Der FCB hat in den TOP16 eindrucksvoll gezeigt, wie man Kaunas aus der Halle fegt.

    In der BL steht man auf einem guten Platz 2. Wie passt das zusammen? Es scheint fast so, als würde der Fleming’sche Basketball auf internationalem Niveau keine Angst und keinen Schrecken verbreiten. Ja, es sieht fast so aus, als ob der Gegner nach Lust und Laune Bamberg vorführt. In der BL reicht es aber grad noch so um vorne mitzuhalten. Doch das kann nicht (mehr) der Anspruch sein.

    Nach vier nationalen Titeln in Folge sollte man die Strategie hinterfragen. Warum spielen die anderen, teilweise viel kleinere Vereine und mit deutlich weniger Qualität, so erfolgreichen internationalen Basketball? Warum entwickeln sich die Bamberger-Spieler in dieser Saison einfach nicht weiter? Warum bringt das Team nicht die Vorgaben des Trainers aufs Spielfeld?

    Aus meiner Sicht hat das alles eine Ursache: Fleming. Er scheint die Mannschaft tatsächlich nicht mehr zu erreichen. Sie will offenbar nicht das zeigen, was der Trainer von ihr verlangt. Manche Spieler wollen sich auch nicht weiter entwickeln. Ich denke, nach so vielen erfolgreichen Jahren könnte man einen neuen Trainer und einen frischen Wind gut gebrauchen: Fleming entwickelt sich offenbar selbst nicht weiter.

    Es ist immer leicht in schlechten Zeiten zu kritisieren, das ist klar. Aber bereits in der letzten Saison war die Sachlage teilweise Katastrophal. Die 14 Niederlagen in der TOP16 und die Krise in der BBL (Feb-März) haben ihre Spuren hinterlassen. Die Meisterschaft erscheint in der Nachbetrachtung doch als ein Wunder und nicht wie eine Selbstverständlichkeit.

    Ich würde es sogar so sehen: Fleming ist ein guter Trainer für einen Verein, wie ihn Victor Feiler schön beschrieben hatte bzw. gerne wieder zurück hätte, aber die neuen (notwendigen) Strukturen und somit auch die Erwartungshaltung könnten Fleming überholt haben. Dafür bräuchte Bamberg jetzt einen neuen Trainer, der den neuen Strukturen, Rahmenbedingungen und natürlich der extrem hohen Erwartungshaltung gerecht wird.

    Ich bin gespannt, wie es weiter geht. So viel Spannung war schon lange nicht mehr zu spüren. Irgendwas wird bald platzen.

    Schade, dass diese negativen Leistungen die teilweise positiven Trends einzelner Spieler überspielen. Fischer und Sanders sind in meinen Augen zur Zeit jeweils in Top-Form. Wright ist auch seit einiger Zeit in einem positiven Trend, auch wenn ich persönlich nie ein Fan von ihm werde.

  3. Victor Feiler

    Da hat der Herr/Frau DRIW was missverstanden. Ich habe nicht behauptet, dass der Mißerfolg des Bamberger Basketsballs auf europäischer Ebene auf den Konzern brose zurückzuführen ist. Hingegen stelle ich fest, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen geprägt sind von den Interessen und Vorgaben eines Konzerns, was sich eben äußerst in spezifischen Entwicklungen. Da lauft im Gegensatz zu konzernfreien Zeiten nun die Stöckelschuhfraktion in der Halle herum. Deren Motive der Anwesenheit stehen sicher nicht einer positiven Korrelation zum Basketballinteresse. Ferner all jene, die in VIP Räumen ihren Auftritt zu pflegen haben. Die dort geführten Gespräche kreisen über alles, nur nicht über Basketball. Der Basketball ist also Instrument für basketballferne Motive. Diese Entwicklung bildet sich eben auch ab oder hinterlässt Spuren. Und noch was zur Heiligkeit des Geldes als Maßstab für „notwendige Strukturen“ (wie es der Her/Frau DIrW sagt: ). Diesbezüglich mit Bayern und vielleicht auch Berlin mitzuhalten wird nicht gelingen. Ergo kann das nur kompensiert werden durch andere Faktoren: Und die waren bisher das, was den Bamberger Basketball ausgezeichnet hat, jetzt hingegen wie „weggeblasen“ sind. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Spieler nach Bamberg kommt und sich dort entwickeln und was erreichen will, oder ob einer mit der Einstellung kommt: “ Ich bin von Deutschen Meister verpflichtet worden, das genügt als Qualitätsnachweis. Da fehlt dann auch der letzte Wille etwas gemeinsa erreichen zu wollen und so spielt der dann auch!

  4. DRiW

    Hallo Viktor,

    für Dich bin ich gerne Paul. In diesem Falle ein Herr, Herr Paul :-)

    In Deinem ersten Kommentar sprichst Du von der „Zeitwende“ im Bamberger Basketball, kurz nach dem unterirdisch schlechten Spiel im Eurocup. Dann ziehst Du über Brose her und die neuen strukturellen Veränderungen. Unter dem Strich kommt die Aussage: Alt war besser, weil sich der Spieler den „Arsch“ aufgerissen hatte. Und da sind wir doch wieder zusammen :-)

    Ich vermisse ja auch die Aggressivität in unserem Spiel. Die Bamberger Tugenden fehlen derzeit an allen Ecken und Enden. Fakt ist jedoch, dass es in der BBL noch ausreicht, so zu spielen (siehe Meisterschaft und derzeitiger Platz 2). Das hängt mit der individuellen Klasse unserer Mannschaft zusammen. Auf der europäischen Ebene reicht es eben nicht mehr. Und es reicht deswegen nicht mehr, weil wir nicht als Mannschaft auftreten! Und das wird gnadenlos bestraft. Ich, im Gegensatz zu Dir, schiebe das aber nicht irgendeinem Konzern in die Schuhe, sondern dem Trainer. Es ist seine verdammte Aufgabe sich um das Teamgefüge, Teamstruktur und Teamplay zu kümmern. Offenbar gelingt es ihm nicht (mehr) und/oder die Spieler haben auf ihn keinen Bock mehr.

    Übrigens zur Erinnerung. Die Meisterschaften holte man, da war das Diktat durch eine Konzernphilosophie noch nicht so ausgeprägt.
    —>> Letztes Jahr war Brose auch schon fett im Geschäft, Bamberg wurde trotzdem Meister und war in den TOP16

    Früher verband man Bamberger Basketball auch und gerade mit einem Schuß Anarchie, Vielfalt, Leidenschaft.
    –>> Stimmt. Aber auch mit Insolvenzen und Rückzügen von Nicki oder GHP, usw. Jedes Jahr das gleiche Gerede über das Aus des Bamberger Basketballs. Ständiger Streit zwischen Stadt und diversen Gesellschaftern und ständige Hallendiskussionen usw. usw. usw. Heuer sind die Fronten geklärt, der Rahmen steht. Der Trainer und die Spieler müssen sich eigentlich nur noch auf den Basketball konzentrieren…. Eigentlich einfach?!

    Also, hoffen wir auf Dienstag und dann nächste Woche auf das Spiel gegen Sardinien. Noch kann das Team und der Trainer die europäische Saison aus eigener Kraft retten.

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