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Immer noch ratlos

von wbeyersdorf am 19. April 2013

Die Bamberger Mannschaft lässt mich Woche für Woche ratlos zurück. Erst werden fast ein dutzend Spiele in Folge verloren, dann wird die Spitzenmannschaft aus Ulm vernichtend geschlagen und zuletzt verliert man zuhause gegen Quakenbrück. Und am Samstag wird Alba Berlin erwartet.

Für mich ist dieses Team zur Zeit wie eine Heinerle Wundertüte: Man weiß nie, was man bekommt.
Auf und ab wechseln sich mit schöner Regelmäßigkeit ab, konstante Leistungen gibt es zur Zeit nicht. Und genau dies macht eine Prognose für die Play-off so schwierig. In der entscheidenden Saisonphase entscheidet die Abwehr, ob man Meister wird oder nicht. Nicht zu unrecht heißt es „Offense wins games, defense wins championships“. Wer in dieser Spielzeit die Partien der Bamberger Basketball ansah, wird festgestellt haben, dass die Abwehr alles andere als sattelfest ist. Gerade die großen Leute offenbarten einige Schwächen. Nachbar, Ogilvy, Neumann und Zirbes sind nicht gerade als Defense-Monster bekannt, sie als Abwehrallergiker zu bezeichnen wäre dann aber übertrieben. Auch Ford zähle ich nicht unbedingt zu den stärksten Abwehrspieleren, auch wenn ich mit dieser Meinung sicherlich anecke. Für mich winkt er zu oft seinen Gegenspieler durch in Richtung Korb, nur um dann zu versuchen ihn zu blocken.

Durch die Hereinnahme von Renfroe, die Verletzung von Goldsberry, Walsh, Zirbes und neuerdings wieder Ogilvy hatte man kaum Gelegeneit sich einzuspielen. Dies wird sich in den wenigen Wochen bis zu Beginn der Play-off hoffentlich ändern. Aber jetzt plötzlich den Schalter umlegen und darauf hoffen, dass das Team auch als solches zusammenspielt, ist sehr gewagt. Und Selbstbewusstein, Vertrauen in sich und den Mitspieler aufbauen, kann man nicht als Trainer verordnen. Dies muss durch Erfolge, noch dazu gegen gute Gegner geschehen.

Manche werden jetzt argumentieren, Bamberg stehe aber immer noch an der Spitze der Tabelle. Doch ich behauptet: die Tabelle lügt! Das einzig positive an dem Tabellenstand ist, dass Bamberg es in den ersten zwei Dritteln der Spielzeit schaffte die vermeintlich einfachen Spiele gegen Teams aus den Niederungen der Tabelle zu gewinnnen. Dies gelang den direkten Konkurrenten nicht durchgehend. Dieser Nimbus ist durch die Niederlagen der vergangenen Wochen auch dahin.

So sieht die Bilanz gegen die folgenden Spitzenmannschaften aus:

Oldenburg 2 gewonnen, 0 verloren
Ulm 2 : 0
München 1 : 1
Berlin 0 : 3 (Euroleague mit eingerechnet)
Artland 0 : 2

Zusammengerechnet ergeben sich 5 Siege und 6 Niederlagen gegen unmittelbare Gegner um den Meistertitel. Dies lässt den Bamberger Fan nicht unbedingt hoffnungsvoll in Richtung Play-off blicken.

Nochmal ganz deutlich: Ich wünsche mir gute Spiele, erfolgreiche Play-off und den erneuten Meistertitel.
Momentan sehe ich aber Bamberg nicht als Topfavorit, dazu passen längst nicht alle Puzzlesteinchen zusammen und es gibt zu viele Baustellen im Team. Wunder gibt es immer wieder, aber im Basketball ist es aber (zum Glück) fast immer so, dass sich am Ende doch die bessere Mannschaft durchsetzt. Bamberg ist dies zur Zeit nicht.

 

Keine Rettung in Sicht

von wbeyersdorf am 29. März 2013

Das Spiel gegen Athen als Offenbarungseid zu bezeichnen wäre vielleicht zu stark ausgedrückt. Es kommt aber nahe ran. Athen spielte stark und legte die Bamberger Schwächen gnadenlos offen. Auch in Bestform hätten sich die Bamberger Basketballer sehr schwer getan die Griechen zu besiegen. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen.

Die Frage ist vielmehr warum befindet sich Bamberg zur Zeit in einer Krise und welche Möglichkeiten gibt es die Saison noch zu retten?

Die Ursachen liegen aus meiner Sicht weit zurück, nämlich im Sommer des vergangenen Jahres. Die Verantwortlichen haben schlicht und ergreifend die falschen Spieler verpflichtet. Man stellte eine Ü30 Truppe zusammen, der es augenscheinlich an Athletik mangelt. Auch die Weiterverpflichtung eines John Goldsberrys war ein sehr großes Risiko. Man wusste um seine Verletzungsgeschichte und nicht wenige Fans prophezeiten einen erneuten Ausfall, wie er nun eingetreten ist.

In den Kommentaren schreibt ein Leser:

„Was aus dem hochgelobten Scouting-System der BBB geworden ist, frag ich mich, Moechtegernstars, abgehalfterte Abzocker ohne Entwicklungsmoeglichkeiten statt Spieler mit Rollenbewusstsein und dem Willen sich zu beweisen. Da der Kern der Mannschaft weiter altert, wird das eine noch groessere Aufgabe.“

Dies trifft den Kern der Problematik sehr genau.

Mit der Nachverpflichtung von Massey hat man sich augenscheinlich ein faules Ei (übrigens: Frohe Ostern!) in das (Mannschafts-)Netz gelegt. Man wusste auch, dass Massey kein leichter Charakter ist, glaubte aber ihn hinbiegen zu können. Dies war wohl ein Trugschluss. Massey setzte man Nachbar vor die Nase und machte damit die nächste Baustelle in der Mannschaft auf.

Gleiches gilt wohl auch in Sachen Matt Walsh. Seitdem er zur Mannschaft stieß halbierten sich die Durchschnittspunkte und der erzielte Effikitivätsindex von Casey Jacobsen. Ich glaube jetzt nicht, dass sich Jacobsen hängen läßt und nur noch Dienst nach Vorschrift ableistet. Aber nach Harmonie im Team schreien die Folgen der Nachverpflichtungen auch nicht gerade.

Die Stragetgie in der Causa A.J. Ogilvy verstehe ich auch nicht. Erst fliegt er auf Geheiß des Trainers aus der Rotation, gleichzeit wird er aber für Kurzauftritte auf das Parkett geschickt. Jetzt, nachdem sich Massey durch seine Eskapade selbst ins Abseits gestellt hat, darf der Australier wieder ran. Allerdings fast ohne Spielpraxis und mit geringem Selbstvertrauen. Und so ein Akteur soll in der jetzigen Situation den Karren aus dem Dreck fahren? Ich habe da so meine Zweifel. Nicht an der spielerischen Qualität von Ogilvy, sondern dass jetzt alles besser werden soll.

Wenn schon die letzten Wochen und Monate die Mannschaft offensichtlich nicht funktionierte, warum bitte soll sich jetzt plötzlich alles zum Guten wenden und der Schalter umgelegt werden?
Nur, wenn ab sofort alles optimal läuft, die Mannschaft als Team agiert, die Zuschauer ihr Feuer wiederfinden (bitte aber ohne das Lied „Stern über Bamberg“, ich kann den Song einfach nicht mehr hören!), nur dann könnte es etwas werden mit der Verteidigung der Meisterschaft.

Glaubt man den Reaktionen nicht weniger Anhänger in der letzten Zeit, dann hat die Identifikation mit dem Bamberger Basketballprogramm schwer gelitten. Auch ich habe mich schon öfters ertappt, dass es mir eigentlich egal ist, ob eine Partie ansteht, ob Bamberg gewinnt oder verliert. Vieles rund um die Basketballveranstaltungen hat sich abgenutzt, beginnend bei dem immer selben Ablauf während der Spiele. Das ist aber ein anderes Thema und wert, einmal extra betrachtet zu werden.