Archiv für den Monat: Juli 2011

Saisonbilanz 2011 4. und letzter Teil

John Goldsberry

Der US-Amerikaner ist mehr Chef auf dem Feld denn je. Er macht das was er soll und kann das Spiel organisieren – nahezu in Perfektion. Es liegt ihm mehr seine Mitspieler in Szene zu setzen als selbst zu punkten und das obwohl seine Dreierquote von 44.4 % zu den besten der Liga gehört. Die statistischen Werte sagen kaum etwas über seinen Wert aus, er ist der uneingeschränkte Kopf des Teams und der Agressive Leader im Stile eines Marc van Bommel.

Ein großes Fragezeichen besteht allerdings hinsichtlich seiner Gesundheit. Es steht immer noch im Raum, dass er aufgrund einer wieder aufgebrochenen schweren Knorpelverletzung im Knie seine Karriere beenden bzw. erneut operiert werden muss. Ein längerfristiger Ausfall würde die Mannschaft hart treffen. Er ist, wie schon geschrieben, eindeutig der General auf dem Feld und mit ihm hat der Spielaufbau eine ganz andere Qualität. Außerdem macht der US-Amerikaner im Aufbau keine Fehler. Auf jeden Ballverlust folgen bei ihm 3,9 Ballvorlagen (der Spitzenwert in der Liga) und in 11 Partien verlor er überhaupt nie den Ball.

Aber nicht nur offensiv, sondern auch defensiv gehört er zu den besten Bambergern. Ein sehr guter Passverteidiger war er schon immer, aber mittlerweile kann er seinen Gegenspieler auch fast perfekt zustellen.

Das folgende Video kann nicht eingebettet werden, darum hier der direkte Link.

Reyshawn Terry

Er bringt eigentlich alle Voraussetzungen mit, um das Spiel zu dominieren. Er ist groß (2,03m), er ist sehr athletisch, er kann werfen und er spielt eine sehr gute Abwehr. Trotzdem bin ich von ihm nicht restlos überzeugt. Dies mag damit zusammenhängen, dass er es zu oft mit der Brechstange versuchte. Gerade mit seiner Überathletik muss er mehr das Brett attackieren. Er hat die Mittel im Eins gegen Eins seine Gegenspieler ganz alt aussehen zu lassen. Stattdessen nahm er öfters zu schnell zu schwierige Würfe, worunter dann seine Wurfquote (34,3% 3er) litt. Manchmal wäre es besser, erst zu denken und dann zu schießen. Bamberg spielte schließlich nicht „7 seconds or less“, sondern versuchte sich gute Wurfchancen durch kluges Passspiel zu erarbeiten, was dann meist länger als 7 Sekunden dauerte.

Die 27 Zähler beim Alba-Schlachtfest im Dezember 2010 waren sein persönliches Highlight-Game.  An diese Bestleistung kam er im Laufe der Saison bei Weitem nicht mehr heran, seine 9,6 Punkte im Schnitt bei knapp 19 Minuten Einsatzzeit je Partie sind aber kein schlechter Wert. Als athletischen und abwehrwilligen Gegenpol zu Peja Suput ergänzte er die Mannschaft fast optimal. Trotz allem erscheint er mir ein Wackelkandidat zu sein für eine Weiterverpflichtung. Möchte man den nächsten Schritt machen, dann muss hier ein Upgrade her, Jan Jagla wäre eine Option.
Auch von ihm gibt es hier ein Video.

Peja Suput

Der Serbe ist auf der Position des Power Forward immer noch die Nummer 1 im deutschen Basketball. Die FIVE schrieb in der Issue #79 über ihn:

Falls jemand die überschaubaren Stats des neuen und alten besten Vierers der Liga kritisieren möchte, dann sei ihm entgegnet: Suput musste in der Saison im Schnitt nur 22:12 Minuten aufs Feld! Bei ihm ist es nicht wichtig, was er in einem Allerweltsspiel gegen ein Mittelklasseteam leistet, sondern sein tatsächlicher Wert offenbart sich erst in Partien gegen echte Konkurrenten wie Berlin (34 Punkte, 11/11 aus dem Feld) oder in Göttingen (26, 9/16). Bezüglich seiner Offense wird oft gelobt, dass er vielseitig und abgezockt ist sowie einen noch guten Distanzwurf und eine noch bessere Fußarbeit im Lowpost hat. Jeder Verteidiger wird jedoch bestätigen, dass der Mann beim Schieben in der Zone auch kräftig wie ein Bulle ist. Fakt ist: Wenn der 34-jährige Serbe bei einem Mittelklasseteam spielen würde, wäre er Topscorer der Liga.

Die nächste Saison wird höchstwahrscheinlich seine letzte in Bamberg sein. Er wird nicht jünger und schon jetzt waren gegen Ende der Spielzeit deutliche Verschleißerscheinungen zu merken. In der Abwehr ist er nur dann kein Ausfall, wenn er will. Seine Einsatzbereitschaft in der Defensive hängt aber auch maßgeblich mit seiner körperlichen Fitness zusammen. Man hat nicht selten den Eindruck, er spart hinten Kraft um dann vorne noch genügend Power zur Verfügung zu haben.

Hier noch ein anderes Video.

Karsten Tadda

Es beschleicht einen durchaus das Gefühl, dass der Bamberger seit nunmehr drei Saisons stagniert und keinen relevanten Schritt nach vorne macht. Auch in dieser Saison wechselten sich Licht und Schatten ab. 37,7% Feldwurf- und 62,5% Freiwurfquote sind mindestens ausbau-, eher schon verbesserungswürdig. Er muss aufpassen nicht zum ewigen Rollenspieler abgestempelt zu werden. Jedes Jahr wartet man schon darauf, dass er den nächsten Schritt macht. Seine Abwehrarbeit gehört ganz sicher zu dem Besten, was es nicht nur im mit starken Defensivspezialisten gespickten Bamberger Team gibt, sondern auch in der Liga seinesgleichen sucht.

Aber sein Wurf ist wackelig und fällt nicht konstant, auch sollte er seine Schnelligkeit mehr nutzen und zum Korb ziehen. Ob seine Zukunft auf der Position 1 oder 2 liegt, ist noch nicht ganz klar. Eingesetzt wurde er in letzter Zeit hautsächlich als Shooting Guard, wobei er dafür fast ein wenig zu klein ist.
Ein Video von ihm findet man hier.

Maurice Stuckey

Der talentierte Nachwuchsspieler hat diese Saison schon vielumjubelte Spiele gezeigt. Die Dominanz der Bamberger hat ihm Spielzeit gebracht, die er genutzt hat. Mittlerweile darf der athletischen Guard regelmäßig in allen Spielphasen ran und bringt es auf fast 10 Minuten pro Partie. Seine 12 Punkte gegen Hagen waren ein Ausrufezeichen, jedoch hat Trainer Fleming zuletzt immer wieder betont, dass er nicht immer mit der Verteidigungsleistung seiner jungen Guards einverstanden ist. Potential scheint bei ihm vorhanden zu sein, jedoch muss man ihm zugutehalten, dass gerade auf den kleinen Positionen in Bamberg ein Überangebot an sehr guten Akteuren herrscht und man sich jede Minute Einsatzzeit hart erarbeiten muss.

Phillipp Neumann

Viel zum Spielen kam er bislang im Bundesligateam noch nicht, er sammelte bei Breitengüßbach in der ProB Erfahrung. Suchte man für ihn einen Spitznamen, dann würde Zappelphillipp gut passen. In der Bundesliga waren seine Einsätze rar gesät und von unglücklichen Aktionen geprägt. Er wirkt hektisch und übermotiviert. Gerade so, als wollte er in den wenigen Spielminuten die er bekommt, alles zeigen und besonders gut machen, was er kann. Meistens hatten seine Bemühungen aber teilweise etwas von Slapstick. An Motivation scheint es ihm nicht zu mangeln, er sollte aber lernen sie richtig einzusetzen. Auch für ihn gilt, sich konstant weiterzuentwickeln.

Erik Land

Leider muss man sagen, er ist in Bamberg gescheitert. Zu nennenswerten Einsätzen kam er die letzten Jahre nicht. Auch von Verletzungen der Stammkräfte auf seiner Position profitierte der Power Forward nicht. Er konnte sich nicht durchsetzen und macht konsequenter Weise einen Schritt rückwärts und wechselt in die ProA nach Homburg zu den Saar-Pfalz Braves. Dort erhält er sicher mehr Spielzeit und wird sein Talent besser präsentieren können.

Tibor Pleiß

Seine Spiele lassen keinen Fan kalt. Entweder er hat einen rabenschwarzen Tag, kann kaum einen Ball fangen, ist zögerlich beim Weg zum Korb, bringt sich früh in Foultrouble und geht mit maximal 5 Punkten vom Feld. Oder aber er ist dynamisch, schnappt sich viele Rebounds, dominiert seine Gegenspieler und jagt ihnen den kalten Schweiß auf die Stirn, wenn sie gegen ihn zum Korb ziehen. Dies sind die zwei Gesichter des Tibor Pleiß. Zum Glück überwiegen die positiven Partien, im Gedächtnis bleiben aber die unglücklichen Momente hängen. Und dies ist schade und wird seinem Talent in keinster Weise gerecht.

Er hat sich in der letzten Spielzeit wieder verbessert und seine Statistiken in einigen Kategorien positiv gesteigert. So führt er beispielsweise bei den Rebounds, Blocks (Liga-Bester!) und der Effektivität sein Team an. Dadurch, dass in der Draft im Juli 2010 die Oklahoma City Thunder aus der NBA die Rechte an ihm gezogen haben, wurde der Druck auf ihn nochmals erhöht. Jeder erwartet von ihm in jedem Spiel außergewöhnliche Leistungen. Dazu ist er aber als 21-jähriger noch nicht fähig, noch dazu als Center. Eine Position die viel Erfahrung voraussetzt; Erfahrung die er gerade erst sammelt. Dazu wird er auch in der Spielzeit 2011/2012 in Bamberg Gelegenheit haben, denn er wird nicht in das südliche Europa wechseln. Dies käme für ihn noch zu früh, genauso wie ein Wechsel in die NBA.

Brian Roberts

Danke an Brian, danke für unvergessliche Momente, danke für Spiele, die er im Alleingang gewann. Kritisierte ich vor Jahresfrist noch seine zeitweise Verteidigungsunlust und seine geringen Fähigkeiten als Aufbauspieler, so hat er sich in beiden Kategorien über den Sommer nochmals gesteigert. Zwar kommen seine Aufbau- und Abwehrqualitäten nicht an die eines John Goldsberry heran, dafür ist er aber ein eiskalter Vollstrecker.
In der FIVE Issue #79 war über ihn zu lesen:

Bester Sechster Mann, der bei jedem BBL-Team außer Bamberg und Frankfurt (und da auch nur wegen Wood) starten würde. Der Crunchtime-Killer ist beim Meister in jedem Viertel der Mann für den letzten Angriff. Obenrum kann sich kein anderer Akteur der Brose Baskets derart gut seinen eigenen Wurf kreieren. Sein eingesprungener Dreier aus dem Dribbling bescherte selbst den Gegnern in der Euroleague einiges Kopfzerbrechen.

Nun deutet vieles auf einen Wechsel des 25-jährigen in das europäische Ausland hin. Er wird den wesentlich höher dotierten Angeboten zahlungskräftiger Klubs aus Spanien oder der Türkei erlegen. Und wenn wir ehrlich sind: Er hat es verdient. Brian Roberts wurde je zweimal Pokalsieger und Meister mit Bamberg. Mehr kann er hier nicht erreichen. Jetzt wird es für ihn Zeit den nächsten Schritt zu machen, spielerisch und finanziell. Die Chancen auf eine Weiterverpflichtung im Frankenland sind gering. Sollte er seinen Vertrag in Bamberg nicht verlängern, ist ihm nur alles Gute zu wünschen für seinen weiteren Weg.

Casey Jacobsen

Seine Rolle hat sich im Laufe der vergangenen Jahre vom reinen Shooter hin zum kompletten Basketballer gewandelt.
Die FIVE schreibt über ihn:

Eigentlich ist der Kapitän des Meisters nicht sonderlich schnell beim Antritt, und eigentlich weiß auch jeder Verteidiger, dass er gerne vom rechten Flügel mit links über die Mitte zieht, aber trotzdem passiert es immer wieder. Das Ganze endet zumeist entweder mit einem Linkskorbleger, einem Pass nach außen zum freien Schützen oder gelegentlich sogar mit einem Stepback-Jumper aus der Mitteldistanz. Der Vorzeigeprofi ist zudem die Personifizierung eines perfekten Teamkapitäns, was leider aber auch gelegentlich davon ablenkt, was für ein herausragender Basketballer der 30-jährige immer noch ist.

Abseits vom spielerischen ist er der Klebstoff der das Bamberger Team zusammenhält. Er ist für die Jüngeren ein Vorbild, nicht nur wegen seiner vier Jahre in der NBA, sondern sein Einsatz, Willen und seine Laufbereitschaft sind beispiellos. Und dennoch nagt auch an ihm der Zahn der Zeit. Sein Antritt ist nicht mehr so explosiv wie noch vor einigen Jahren. Schuld daran kann die schwere Knieverletzung, erlitten im Frühjahr 2010, sein, die ihm wohl ein paar Prozentpunkte seiner Athletik kostete.

Sein großer Vorteil ist aber nach wie vor die überragende Basketball-Intelligenz, die immer noch höher ist als bei vielen anderen Spielern in der Liga. Seine Erfolgsbilanz ist überragend: in seinen vier Bundesligajahren wurde er jeweils 3x Meister und Pokalsieger. Mit Ausnahme der Seriensieger zu Zeiten von Leverkusen und Berlin dürften nur wenige Spieler so viele Trophäen in die Höhe gestemmt haben.
Er hat seinen Vertrag erst um drei Jahre verlängert und auch schon angedeutet, nie mehr bei einem anderen Klub spielen zu wollen.

Und hier noch einige Highlights aus seiner Zeit in der NBA:

Auch der Sportsender ESPN würdigte ihn einst mit einem Special:
Teil 1

Teil 2

Teil 3

Anton Gavel

Der Bamberger Publikumsliebling konnte die Leistungen aus seiner tollen Vorjahressaison im Großen und Ganzen bestätigen und beweist sich weiterhin als engagierter Verteidiger. Goldlöckchen ist immer noch ein Mann für die Big Points von jenseits der Dreierlinie und seine Defense ist sowieso eine der besten in der Liga. Sein Wurf ist so flach, man könnte fast meinen, der Ball knallt immer vorne an den Ring. Aber mit einer Dreierquote von 42,3% rangiert er nicht nur im Bamberger Team, sondern auch in Liga ziemlich weit vorne in der Rangliste der treffsichersten Schützen.

An Einsatz mangelt es ihm nie, selbst mit Verletzungen, bei denen sich schon manch anderer US-Amerikaner in der Vergangenheit 2 Wochen krankschreiben ließ, spielte er und gab alles. In Bayern würde man sagen, er ist ein harter Hund. Defensiv ist er dank seiner schnellen Beine immer in der Lage gegnerische Aufbauspieler gut zu verteidigen. Was ihm an Länge fehlt, macht er durch Willen wett. 2,7 Rebounds je Spiel sind die Meisten aller Bamberger Aufbauspieler. Dass der Trainer viel von ihm hält, wird an der Einsatzzeit deutlich: Nur Casey Jacobsen stand mit 29:59 Minuten pro Partie länger auf dem Feld als Anton Gavel (27:50).

Immer wieder wird spekuliert, ob der Slowake, der auch einen deutschen Pass besitzen soll, seinen Status als Bosman-Spieler abgibt und nur noch als Deutscher aufläuft. Damit würde er einen Ausländerplatz freigeben. Wer aber jemals ein Bild von ihm als Fan in einem Trikot der slowakischen Eishockey-Nationalmannschaft sah, kann an einen Wechsel der Staatsbürgerschaft nicht recht glauben.

Kyle Hines

Der Mann ist eine Urgewalt. Als seine Verpflichtung vor Jahresfrist publik wurde, waren nicht wenige skeptisch, ob das Experiment mit einem Spieler, der offiziell 1,96m groß sein soll, gutgehen kann. Aber bereits nach den ersten Vorbereitungsspielen wurde deutlich, dass Kyle Hines ein außergewöhnlicher Akteur ist.
Nach einem Testspielerfolg gegen Bayreuth Anfang September 2010 schrieb ich:

Und schon nach wenigen Minuten in der Partie wird klar, dieser Typ ist krass! So ein wenig ein Jeff Gibbs Klon, nur noch beweglicher und schneller. Muss er aber auch nicht können, unter dem Korb überzeugt er dafür umso mehr. Seine Bewegungen um die Gegenspieler herum mit abschließendem Dunking sind klasse. Er ackert, er kämpft um jeden Ball, er gibt alles. Denke die Bamberger Fans werden ihn lieben.

Und genauso kam es. Er wurde nicht nur Finals MVP, sondern auch von den Bamberger Fans zum beliebtesten Spieler gewählt. Manager Wolfgang Heyder meinte über ihn: „Er ist ein Mensch der noch Bitte und Danke sagt“. Dies sagt in einer Branche in der Egoismus zum Berufsbild gehört viel über Kyle Hines aus.

Trotz seiner für einen Center geringen Körpergröße war er in der Lage viele seiner Gegenspieler zu dominieren. Seine 1,2 Blocks je Spiel bedeuteten Rang 4 in der Rangliste aller Bundesligaakteure (Tibor Pleiß steht übrigens auf Platz 1 mit 1,6 Blocks). Seine überragende Athletik und Schnelligkeit ließ viele hüftsteife Gegner ziemlich alt aussehen. Trotz aller Begeisterung für ihn und seine Spielweise muss man sich fragen, ob man auf seiner Position nicht doch mehr Größe haben sollte. Gerade im Hinblick auf die hohen Ziele in der Euroleague. So waren seine Probleme in der Defensive, resultierend aus seiner geringen Körpergröße, auch den Gegnern bekannt. Nur 4,6 Rebounds im Schnitt sind nüchtern betrachtet für einen Center zu wenig.
Auch von ihm gibt es ein Highlight-Video:

Saisonbilanz 2011 3. Teil

Bamberg stürmte durch die Hauptrunde wie schon lange keine andere deutsche Mannschaft mehr. Einzig beim späteren Absteiger in Düsseldorf und in Göttingen zog man den Kürzeren. Die Niederlage in Düsseldorf kam für viele nach 16 Siegen in Folge überraschend, für mich jedoch nicht. Mir war klar, wenn die Erfolgsserie reißt, dann bei einem Team aus den Niederungen der Tabelle. Gegen Topteams war die Konzentration und Motivation so hoch, da konnte fast nichts passieren. Gegen ein Kellerkind der Liga jedoch schleicht sich gerne mal der Schlendrian ein, man gibt nicht mehr 100%, der Gegner erwischt einen Sahnetag und schon hat man verloren. Genau so kam es dann auch beim Gastspiel im Rheinland. Außerdem fehlte bei dieser Partie auch John Goldsberry wegen eine Sperre, nachdem er im Spiel vorher in Bayreuth nach einer Rangelei mit dem Ex-Bamberger Jared Reiner vom Feld flog.

32 Siegen standen nur 2 Niederlagen vor Beginn der Play-off zu Buche. Eine nahezu perfekte Ausgangslage um die Mission Titelverteidigung zu starten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bamberg aber mit dem Pokalsieg den ersten Titel bereits in der Tasche. Vor heimischer Kulisse konnte man sich am ersten April-Wochenende in zwei äußerst knappen Spielen erst gegen Artland und im Finale gegen Braunschweig durchsetzen und den Pokalerfolg vom Vorjahr wiederholen. Der erste Druck einen Titel holen zu müssen war dadurch schon mal genommen, aber was ist schon der Pokal, wenn man Meister werden will?

In der ersten Runde der Play-off wartete mit Bremerhaven eine unangenehme, aber letztlich machbare Aufgabe. Aber die drei Spiele offenbarten schon eine gewisse Tendenz: Bamberg hat den Nimbus der Unschlagbarkeit verloren. Zwar setzte man sich mit 3:0 gegen die Norddeutschen durch, aber überzeugend waren die Erfolge nicht. Die Mannschaft wirkte müde und machte nicht immer einen souveränen Eindruck.

Im Halbfinale wartete dann mit Artland der denkbar schwerste Gegner. In den Ligaspielen und im Pokal setzte sich Bamberg jeweils nur mit wenigen Zählern Differenz durch. In den Play-off war dies anders, aber nicht so wie gedacht. Die Serie ging über die volle Distanz von fünf Spielen und jedes Mal gewann die Heimmannschaft mit mindestens 12 Punkten Unterschied. Spätestens da war klar, die Auswärtsstärke Bambergs ist nicht mehr vorhanden.

Aber Bamberg wäre nicht Freak City, wenn in einem „do or die“-Game die Fans ihr Team nicht zum Sieg pushen würden. So war es dann auch keine große Überraschung, dass bei den beiden besten Artländern Ryce und Bailey am Ende die Kräfte schwanden und sich das Bamberger Kollektiv durchsetzen konnte.
Die besten Szenen aus dem fünften Spiel:

Tja, und damit war das Traumfinale perfekt: Bamberg gegen Berlin, die Mutter aller Schlachten. Es war also nach 2004 endlich mal wieder soweit, dass sich beide Mannschaften in den Play-off gegenüberstanden. Berlin schummelte sich ein wenig in die Endspielserie, sie taten sich erst gegen Oldenburg und dann gegen Frankfurt teilweise sehr schwer.
Fast wäre die Mission Titelverteidigung schon nach der gewonnenen ersten Partie in weite Ferne gerückt. Mit John Goldsberry zog sich einer der wichtigsten Spieler einen Bänderriss zu und sein Einsatz in den weiteren Spielen war sehr fraglich.

Die Überlegenheit und Souveränität der Hauptrunde war irgendwo auf dem Weg vom Trainingslager in Malaga bis zu Beginn der Play-off verloren gegangen. Die Gegner witterten Morgenluft und nahmen Fährte auf, bei Bamberg schien das Momentum verschwunden zu sein. Berlin machte aus seinen Möglichkeiten das Beste und zeigte gerade in seinen Heimspielen gute Leistungen. Aber auch nur, weil Bamberg sie gewähren ließ. Nicht absichtlich, das traue ich ihnen dann doch nicht zu. Aber vielleicht spukte in den Köpfen der Bamberger Akteure doch der Gedanke herum, dass man sich bislang immer auf seine Heimstärke verlassen konnte. Dadurch hielt Gevatter Schlendrian Einzug – nur ein wenig und ganz langsam, aber stetig. Bamberg ließ Berlin ins Spiel kommen, und dies ist das Schlimmste was einem gegen Berlin passieren kann. Da zählen auch die vorangegangenen Spiele nichts mehr. Auch war von der Spritzig- und Leichtigkeit aus der Hauptrunde nicht mehr viel zu sehen.

Von fünf Auswärtspartien in den Play-off gingen vier verloren. Und zwar nicht knapp, sondern teilweise richtig deutlich. Aber eine Stärke der Bamberger Mannschaft, in der zu Ende gegangenen Saison, war die mentale Stabilität. Sie hat sich aus allen Leistungstälern wieder herausgearbeitet und stets in den Folgepartien eine Reaktion gezeigt.
Aber auch während eines Spiels schaffte man es wiederholt Rückstände aufzuholen und in Siege umzumünzen. Ganz sicher ein Verdienst von Coach Chris Fleming, der meistens an den richtigen Hebeln zog um seine Jungs wieder in die richtige Spur zu führen.
Bestes Beispiel war die alles entscheidende fünfte Finalpartie. Berlin führt 1:30 vor Schluss mit vier Punkten und wird dann doch nicht Meister. Die letzten 90 Sekunden trennte die Männer von den Buben und man sah, wer wirklich Erwachsensport betreibt. Kyle Hines holte nach Berliner Fehlschüssen wichtige Rebounds und John Goldsberry und Brian Roberts versenkten eiskalt zwei Bomben aus dem Dreierland. Von den Berlinern Jenkins, McElroy und Co. war da nichts mehr zu sehen.

Pokalsieg verteidigt, Meisterschaft verteidigt, als Bamberger Fans muss man sich wie in einem feuchten Traum vorkommen. Die letzten 18 Monate waren unglaublich und speziell die letzte Saison fast nicht wiederholbar.
Welche Ziele bleiben jetzt noch übrig? Nochmal das Double verteidigen oder versuchen in der Euroleague den nächsten Schritt zu machen. Das Eine oder das Andere ist durchaus reizvoll, aber motiviert das auch die Mannschaft? Alles, was man jetzt national noch erreichen kann, ist nur eine Wiederholung. Es besteht die große Gefahr, dass die Mannschaft von den Erfolgen satt ist, nicht den letzten Willen aufbringt, um in einem Jahr sich wieder auf dem Maxplatz feiern zu lassen.
Darum wäre es jetzt Zeit einen Schnitt zu machen und das Team auf einigen Positionen umzubesetzen. Frische, nach Siegen lechzende und hungrige Spieler wären nötig um dem Mikrokosmos Mannschaft neues Blut zuzuführen.

Aber um die Spieler wird es im letzten Teil der Saisonbilanz gehen, die am Montag, 4. Juli veröffentlicht wird.